Das Internet hat mich dick gemacht

Politics & Society
re:publica 2016

Short thesis: 

Die Gefahr, dass der Anteil dicker Menschen in der Bevölkerung zunimmt, ist real. Und das Internet hat seinen Anteil daran. Es bringt die Leute auf die Idee, dass Dick-Sein gar nicht so schlimm ist.

Description: 

Oft fragte ich mich, woher die gesellschaftliche Obsession mit Diäten, Fitness und Gesundheit kommt. Und ob uns ein schlankerer Körper, eine Entgiftung mit grünen Säften und ein Runtastic-Lauf wirklich zufriedener macht.

Aber um mich herum wurde diätet, gesportelt und selbstoptimiert. Meine Zweifel mussten falsch sein, es können sich ja nicht alle irren.

Dann stieß ich im Internet auf Menschen, die wie ich hinterfragten, warum eine sehr eng definiere Körpermasse als erstrebenswert und ideal festgelegt wurde. Und die versuchen - häufig begleitet von wüsten Beschimpfungen -, die Mythen um unseren absurden Körper- und Gesundheitskult zu entlarven.

Eine gern genommene Beschimpfung ist jene, die Dicke zur Belastung des Gesundheitssystems degradiert. Dabei genügt ein wenig Recherche und schon stellt sich heraus, dass Übergewicht nur sehr bedingt ein Gesundheitsrisiko ist. Aber warum wird Gesundheit überhaupt als absoluter Wert gesehen? Ist der gesellschaftliche Werte eines Individuums an seiner Gesundheit bezifferbar?

Immer wieder gibt es jemanden, der einen Yeti gesehen hat. Ähnlich ist es bei Diäten. Immer mal wieder gibt es einen, der langfristig und total einfach mit einer Diät abgenommen hat. Online werden Diät-Konzepte wie eine Promotion von Guttenberg auseinandergenommen. Übrig bleibt der Mythos - wie beim Yeti.

Ästhetik ist kein Mythos, aber ein gesellschaftliches Konstrukt. Wenn nur lange genug behauptet wird, dass Schlaghosen schön sind, trägt sie am Ende jeder. Das ästhetische Empfinden lässt sich also beeinflussen. Es kann sich entsprechend wandeln zu einer Akzeptanz der Vielfalt bei Körpern, Figuren, Farben und Formen. Dank vieler direkter digitaler Kanäle, werden dafür nicht mehr die im Wandel langsamen klassischen Medien gebraucht. 

Dank all der Informationen und ihres Rückhalt beschloss ich, endlich nach meinen Bedürfnissen zu essen und mich gleichzeitig nicht wegen meiner Optik einzuschränken. Ich verlor einiges an Eitelkeit und gewann an Gewicht. Das Internet hatte mich nachhaltig dick gemacht.

Stage 5
Wednesday, May 4, 2016 - 16:15 to 17:15
German
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Beginner

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