Anonymous.Kollektiv & Migrantenschreck: Warum wir bei Rechten geklingelt haben

Politics & Society
re:publica 2017

Short thesis: 

Hunderte Deutsche haben illegale Schusswaffen beim Online-Shop “Migrantenschreck” bestellt. Wir haben Dutzende besucht, viele von ihnen sind Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. Das zeigt: Rechte Parolen sind im Mainstream angekommen, das Bild des angeblich kriminellen Flüchtlings verfängt. Wie können Journalisten damit umgehen? Wie ernst sollen wir die Ängste der besorgten Bürger nehmen?

Description: 

Jahrelang hetzte die Facebook-Seite “Anonymous.Kollektiv” gegen Flüchtlinge, Muslime, Juden und Politiker. Mit Fremdenfeindlichkeit und Verschwörungstheorien sammelte sie fast zwei Millionen Likes. Dann erntete Mario Rönsch mit dem Online-Shop “Migrantenschreck”, was “Anonymous.Kollektiv” mit seinen Parolen gesät hatte: Hunderte besorgte Bürger kauften dort illegal Schusswaffen, um sich vor “Asylforderern” und angeblich “kriminellen Ficki-Ficki-Fachkräften” zu schützen. Max Hoppenstedt, Simon Hurtz und Kai Biermann haben Dutzende der Waffenkäufer besucht. Viele von ihnen waren unauffällige Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. Ganz normale Deutsche. Erschreckend normale Deutsche.

Die steile Karriere der beiden Seiten zeigt: Mit geringem Aufwand erreichen Rechte im Internet ein großes Publikum. Facebook und deutsche Behörden schauen zu. Die einen wollen, die anderen können nichts dagegen tun. Als Reaktion hat sich auf Facebook eine Gegenbewegung gegen die rechten Online-Strukturen formiert: Aktivisten betreiben sogenannte Watch-Seiten in ihrer Freizeit Informationen über die rechten Hetzseiten zusammen. Einer von ihnen wird von seiner Arbeit berichten und erklären, warum er Hunderte Stunden pro Jahr opfert, ohne dafür irgendetwas zurück zu bekommen - weder finanziell noch in Form öffentlicher Anerkennung.

Der Erfolg von “Migrantenschreck” zeigt auch: Offenbar verfängt die Panikmache vor Flüchtlingen auch bei Menschen, die sich selbst nicht am rechten Rand verordnen. Menschen, die sich Sorgen machen, die Angst haben, wie sie sagen - Ängste, die man ernst nehmen muss? Für Journalisten ist das eine wichtige Frage: Wie sollen wir mit Menschen umgehen, die sich mit Waffen vor Flüchtlingen schützen wollen? Ist es wichtiger zu verstehen, woher ihre Furcht kommt - oder ist es gefährlich, diesen Ansichten eine Bühne zu bieten und sie damit gesellschaftsfähig zu machen? Darüber diskutieren wir mit Karolin Schwarz, die mit der Hoaxmap Gerüchte und Falschmeldungen über Geflüchtete entlarvt.

Stage 2
Tuesday, May 9, 2017 -
10:00 to 11:00
German
Discussion
Beginner

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Redakteur
Redakteur Investigativ
Social Media Redakteurin & Journalistin