Lebensretter und Schmuddelkind des Internets

Das Darknet hat ein Imageproblem: Für viele ist es die Schmuddelecke des Internets, in der Waffen, Drogen oder Pornografie verhökert werden. In Ländern wie China, Iran oder Syrien ist es jedoch der wichtigste Kanal für unabhängige JournalistInnen und AktivistInnen, um anonym zu kommunizieren. “Darknet“ bedeutet in beiden Fällen, zentrale Server zu umgehen und stattdessen auf ein sogenanntes Virtual Private Network (VPN) zurückzugreifen. Damit geht zum Beispiel ein regierungskritisches Video nicht direkt von A nach B, sondern wird durch verschiedene Knotenpunkte geschleust: Von A nach B, von B nach C – so lange, bis das Video beim Empfänger landet. Nach dem dritten Knoten verliert sich meist schon die Spur.

Der Journalist Ahmad Alrifaee lebte bis 2011 in Syrien und war dort auf das Darknet angewiesen: “Das syrische Regime kennt weder Freiheit noch Demokratie und möchte sie nicht kennen. Alles, was für Demokratie oder Freiheit gemacht wird, ist gegen das System und gilt als Opposition.“ Über das Darknet leitete er das Video einer Demonstration weiter an westliche Agenturen – ein Drahtseilakt, mit dem er sein Leben riskierte.

Das weiß auch Daniel Moßbrucker, Referent für Informationsfreiheit im Internet für die NGO Reporter ohne Grenzen, die selbst zwei Darknet-Knotenpunkte betreibt. “Wir sehen unsere Server als symbolische Unterstützung für ReporterInnen. Dass da auch Drogen verkauft werden, können wir leider nicht ausschließen.”

Doch wie ermittelt man gegen diejenigen, die das Darknet als Schutzraum für illegale Aktivitäten missbrauchen? Andreas May von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt dreht bei seiner Arbeit den Spieß um: “Man kauft ein paar Waffen und versucht so, an die Verkäufer heranzukommen. Die ganz doofen Anfänger haben sich noch persönlich mit uns getroffen, um die Waffe zu übergeben.“ Etwa 50 Verkäufer wurden so innerhalb von zwei Jahren gefasst.   

Weltweit nutzen bisher nur etwa zwei Millionen UserInnen das Darknet. Das wundert Moßbrucker nicht: “Das ist vor allem eine Bewusstseinsfrage: Wir gewöhnen uns an die Überwachung und denken bereits, es ginge nicht ohne.“

von Sylvia Lundschien und Theresa Liebig (EJS)

Bildnachweis: The National Archives (UK) (CC BY 3.0)

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