"Das Netz ist ein guter Ort – wenn wir es dazu machen" Johannes Korten (1974 - 2016)

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Johannes Korten being awarded for #einBuchfürKai

Wir trauern um Johannes Korten – die Nachricht von seinem Tod in Bochum verbreitete sich am 25.7.2016 in der Netzgemeinde. Er wird uns mit vielen Eindrücken in Erinnerung bleiben. Als Innovations- und Online-Marketing-Manager war er bei der GLS Bank der erste Online-Redakteur in Deutschland, der die Bank ins Web 2.0 gebracht hat. Als alter Internet-Hase wurde er in der Gemeinde geliebt für sein Jazzblog.de. Ganz besonders erinnern wir uns an seine Hashtag-Aktionen #Mutmachparade, #duschefreioccupy oder #sharedichdrum. Und mit #einBuchfürKai startete er eine beispielhafte Hilfskampagne, die seinesgleichen sucht. Kennengelernt hatte Johannes Kai-Eric Fitzner vor einigen Jahren auf der re:publica. Fitzner erlitt im Mai 2015 einen Schlaganfall, seine Frau und seine drei Kinder brachte das in eine schlimme finanzielle Lage. Johannes half auf seine Art: Er verbreitete den verzweifelten Aufruf der Ehefrau auf Facebook in der Blogosphäre, Fitzners selbstveröffentlichtes Buch "Willkommen im Meer" zu kaufen und die Familie dadurch zu unterstützen. Viele halfen, das Buch landete sogar in der Bestseller-Liste bei Amazon. Das reichte Johannes nicht und er richtete dazu noch ein Spendenkonto ein: 13.000 Euro konnte er schließlich an Fitzners Frau Caja überweisen. Er kümmerte sich auch darum, dass das Buch noch einmal bei DroemerKnaur als richtiges Taschenbuch veröffentlicht wurde.

"Johannes' Ausspruch 'Das Netz ist ein guter Ort – wenn wir es dazu machen' ist Symbol dafür, wie viel Kraft die 'Netzgemeinde' aufbringen, Gutes anschieben und was sie gemeinsam leisten kann.“ So stand es in der Begründung, als Johannes den Virenschleuderpreis 2015 erhielt und zur Persönlichkeit des Jahres gewählt wurde. Jury-Mitglied Sascha Lobo war voll des Lobes: "Dieser Mann hat das Unglück und die Schwierigkeiten der Familie Fitzner mit soviel Charme und Demut und Uneigennutz verwandelt in ein Quäntchen Glück zu rechten Zeit, dass es keine andere Wahl geben kann."

Johannes hat auch uns auf der re:publica mit seiner "Love Storm"-Kampagne beglückt. 2015 trat er als Speaker in einer Runde mit einer "Revue zu den Absurditäten von technischem Fortschritt und Wachstum" auf. Diesen Mai berichtete er am Tag 2 der MEDIA CONVENTION Berlin noch einmal von seiner unermüdlichen Kampagne (seht das Video unten).

Über sich schrieb Johannes einmal: "Geboren wurde ich 1974 während des Endspiels der Fußball-WM, bei dem Deutschland gegen Holland gewann und Weltmeister wurde. Eine besondere Fußball-Leidenschaft hat dies jedoch nicht zur Folge gehabt und auch in Holland fühle ich mich noch immer willkommen." Dies und auch den allerletzten Tweet von ihm werden wir in Erinnerung behalten: "Am Ende. Es hat nicht gereicht für ein ganzes Leben."

Bildnachweis: #vsp15 | virenschleuderpreis.de | Foto: Holger Menzel (CC BY-SA 2.0)

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