2016-05-04

Auf zur Plattform-Kooperative

Die meisten Internetplattformen gehören einer Handvoll Firmen im Silicon Valley. Das sei unzumutbar, findet Trebor Scholz. In seinem Talk zum Themen-Schwerpunkt "Work" auf der Hauptbühne an Tag 3 liefert er den Gegenentwurf: Platform Cooperativism.

"Es ist schwer, Dinge zu verändern, die einem nicht gehören", sagt Trebor Scholz, Associate Professor an der New School in New York City, auf der re:publica TEN. Auch beim Thema Sharing Economy werde noch immer viel zu wenig darüber geredet, wem große Internetplattformen wie Uber oder AirBnB eigentlich gehören.

"Für jedes Uber gibt es auch ein Unter", sagt Scholz. Plattformen und Unternehmen, die lediglich dem freien Wettbewerb unterliegen und nicht reguliert werden, würden ihre Angestellten oft falsch einstufen — als PartnerIn oder unabhängige LeiharbeiterIn. “Die Firmen geben vor, ihre Geschäfte mit Technologien zu machen, aber eigentlich machen sie sie mit den Arbeitern.” So sei zum Beispiel das mittlere Einkommen in den USA zwischen den Jahren 2000 und 2010 um sieben Prozent gesunken. “Die digitale Arbeit ist ein Teil der Billiglohn-Krise.”

Scholz’ Gegenentwurf zur Sharing Economy heißt Platform Cooperativism. “Es geht dabei nicht um irgendeine bestimmte Technologie, sondern darum, das Internet mit dem Gemeinschaftswesen zu verbinden.” Eine Plattform wie Coopify, die im Herbst an den Start geht und Arbeiter aus dem Niedriglohnsektor zu deren eigenen Bedingungen mit dem digitalen Arbeitsmarkt vernetzt, ist hierfür nur ein Beispiel. Platform Cooperativism vereint gemeinschaftliches Eigentum mit demokratischen Führungsstrukturen. “Wir brauchen eine wirkliche Kultur des Teilens”, fordert Scholz.

Foto: re:publica/Gregor Fischer (CC BY 2.0)

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