2017-05-30

Digitale Lösungen für die Entwicklungszusammenarbeit

Die Digitalisierung spielt inzwischen im beruflichen und persönlichen Alltag eine große Rolle. Das "Digitale" verändert aber nicht nur die Art und Weise, wie wir in Deutschland oder Europa leben. Die digitale Revolution bietet auch zahlreiche neue Chancen und Herausforderungen für die Entwicklungszusammenarbeit. Ob Gesundheit, Bildung, Landwirschaft oder öffentliche Verwaltung: Die Einsatzmöglichkeiten digitaler Anwendungen sind vielseitig.

Trotz technologischer Lösungen ist der menschliche Austausch bei Projekten und Innovationen weiterhin ein wichtiger Aspekt. In unserer globalen Welt können sich Menschen über digitale Anwendungen austauschen und so von Wissen und Erfahrungen anderer profitieren. 

Um diesen Austausch innerhalb der Organisation noch stärker zu verankern, hat die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) einen internen Wettbewerb für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchgeführt. Die Ergebnisse findet ihr weiter unten. 

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Dabei entstanden eine Vielzahl an Ideen, wie Projekte der GIZ durch den Einsatz digitaler Ansätze ihre entwicklungspolitischen Wirkungen besser oder auf innovativere Weise erreichen können. Durch den Wettbewerb wurden in einer ersten Runde sechs Teams aus der ganzen Welt zusammengestellt, die nun in ein Accelerator-Programm der GIZ aufgenommen wurden. Zum Auftakt dieses Programms trafen sich die Teams in Berlin, um unter anderem auf der re:publica 2017 ihre Ideen internationalen Vertretern des Global Innovation Gatherings (GIG) vorzustellen. 

Statt bloßer Vorträge wählte die GIZ und das GIG ein interaktives Format: Die GIZ-Teams präsentierten ihre Ideen in jeweils drei Minuten kurzen Pitchs.

Anschließend erfolgte ein direkter Austausch über ein Speed-Dating: Die GIZ-Teams versammelten sich an einzelnen Tischen, die GIG-Vertreter bildeten Mannschaften und brachten ihre Ideen und Vorschläge im direkten Gespräch mit den Teamvertretern ein.

Nach zehn Minuten wechselten die GIG-Mannschaften, sodass jedes GIZ-Team verschiedenen Input aus unterschiedlichen Nationen erhielten.


Die Ideen im Überblick:

  • Grooots – der Grass-Root-Datenaggregator
    ExpertInnen in Partnerländern der GIZ verfügen über relevante Informationen. Was gebraucht wird, ist eine Lösung, um diese Informationen zu sammeln und nutzbar zu machen. Dafür schafft Grooots eine innovative, bottom-up gestaltete mobile App-Schnittstelle, die Quellen von Partnern im Ausland integriert und die Informationen in einer sauberen und handlichen Weise aufbereitet. Dabei sollen öffentlich zugängliche Daten mit Grass-Roots-Input von Fachleuten kombiniert werden.

 

  • "TheIntegrityAPP" TIA
    Das TIA-Team möchte die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, um durch die Entwicklung einer Mobile-App verschiedene Unternehmen bei der Umsetzung von Korruptionsbekämpfungsmaßnahmen in Lateinamerika unterstützt. Die App wäre ein einzigartiger Weg, um bestehende Ansätze zur Korruptionsverhütung aufzuwerten und eine große Anzahl von Unternehmen in städtischen und ländlichen Gebieten ressourcenschonend zu unterstützen.

 

  • YouthActs – Eine digitale Plattform für Informationen, Aktivierung und Vernetzung junger Freiwilliger
    Viele junge Menschen möchten sich für ihre Gemeinde einsetzen. Um das Engagement dieser jungen Freiwilligen optimal zu nutzen, ist der Aufbau der digitalen Plattform YouthActs geplant. Darüber können sich junge Menschen nicht nur vernetzen, sondern sie finden auch Informationen und Unterstützung aus der YouthActs-Community. Dazu gehört beispielsweise das Sammeln von Ideen für Aktionen, dessen Dokumentation und die Möglichkeit, mit relevanten Ansprechpartnern und Stakeholdern in Kontakt zu treten. Gleichzeitig soll Wissen zu sozialen Fragen vermittelt werden. Die Informationen sind modular aufgebaut und lassen sich so an verschiedene Kontexte/Themen anpassen. Einen ersten Test von YouthActs soll in Südafrika zu Gewaltprävention erfolgen und anschließend im Königreich Lesotho zu zivilgesellschaftlicher Bildung repliziert werden.

 

  • Igniting Citizen Engagement – Eine mobile Anwendung für bessere öffentliche Dienstleistungen
    BürgerInnen-Engagements über eine App aktivieren, beispielsweise Fotos von Problemen im öffentlichen Dienst hochladen (z. B. Schlaglöcher). Bestimmte Themen werden an lokale Regierungs- und Prüfungsinstitute gemeldet. BürgerInnen priorisieren die Probleme und bewerten die Lösungen, eine Datenanalyse empfiehlt Bereiche für eine Prüfung. Einzigartig: Die App sammelt, bündelt und priorisiert das BürgerInnen-Feedback.

 

  • Bring das Wasser zu den Leuten im ländlichen Jordanien
    Dieses Team verkürzt den Abstand zwischen Nachfrage und Angebot: Haushalte bestellen Wasser auf ihrem Mobiltelefon per Textnachricht oder App. Über das EDV-System des Dienstprogramms wird ein Tankwagen automatisch der Aufgabe zugeordnet und kann idealerweise mehrere Haushalte in der Nähe in einer Tour bedienen. Der Nutzen ist operative Effizienz und erhöht die Transparenz – und die Leute bekommen endlich ihr Trinkwasser.

 

  • Xtra Pay – freiwillige Bonuszahlungen für Produzenten in Entwicklungsländern
    Die VerbraucherInnen können so den Kleinbauern, die das Produkt liefern, direkt einen Bonus zahlen. Sie finden ihre Kontaktdaten über das Produkt und können das Geld direkt an den Landwirt über Blockchain ohne größere Mühen übertragen. Beim Scannen des Codes für die Zahlungsvereinbarung erhalten die Verbraucher auch Informationen über den Ursprung des Produkts und wie es hergestellt wurde.

 

Bis Ende des Jahres werden die sechs Teams ihre Ideen mit NutzerInnen-zentrierten Designmethoden weiterentwickeln. Die vielversprechendsten Ideen werden anschließend ausgezeichnet und umgesetzt. 

Bildnachweis: re:publica/Gregor Fischer (CC BY-SA 2.0)