2017-11-20

Eines unserer neuen #rp18 Topics: We Can Work It Out (Wissenschaftsjahr 2018)

"Arbeitswelten der Zukunft" wird das Thema des Wissenschaftsjahres 2018 sein. Im jährlichen Wechsel widmen sich die Wissenschaftsjahre des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gesellschaftsrelevanten Zukunftsthemen und der (angewandten) Forschung, um Wissenschaft breitenwirksam zu machen – und dafür zu sorgen, dass entscheidende Wendepunkte aus den Laboren, Elfenbeintürmen und Denkfabriken nicht einfach an uns vorbeigehen.

Mit dem Programmteil "We can WORK it out" wollen wir auf der #rp18 diese Zukunftswelten der Arbeit mitdenken und gestalten. Und über den Call for Participation, der diese Woche beginnt, freuen wir uns besonders darauf, eure Interventionen und Gedanken zum Thema mit einzubeziehen!

Schon drei Mal – 2014 zur Digitalen Gesellschaft, 2015 zur Zukunftsstadt und 2017 zu Meeren & Ozeanen – haben wir  zu den Themen der Wissenschaftsjahre Subkonferenzen mit dem BMBF durchgeführt. Für den Themenkomplex Arbeitswelten der Zukunft sind wir quasi prädestiniert, weil wir ihn schon seit Beginn der re:publica mitbetrachten. 2018 wird es auf Bühnen, in "Sweatshops", Kunstwerken und Performances nicht nur um Automatisierung und Arbeitsverknappung gehen, sondern auch darum, welche Rolle Forschung und Wissenschaft bei der Bewältigung Gestaltung dieses Wandels spielen (können).

Historisch betrachtet hat sich Arbeit fortwährend verändert: Die erste industrielle Revolution wurde von Wasser- und Dampfkraft getrieben; die zweite von Fließbändern und elektrischer Energie beschleunigt; die dritte von Elektronik und fortschreitender Automatisierung geprägt.

Die vierte Revolution macht von allen gegenwärtig verfügbaren technischen und organisatorischen Möglichkeiten Gebrauch. Neben den Chancen von technischen Innovationen, Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und dem Buzzword "Industrie 4.0" sollen vor allem auch die sozialen und ökologischen Auswirkungen der Veränderung von Arbeitswelten beleuchtet werden.

Die Internetforscherin Jeanette Hofmann beschrieb den Umbruch in die viel zitierte Wissensgesellschaft im Jahr 2002 unter anderem noch so: "Die Zeit der rauchenden Schlote, der Massenproduktion und monotonen Handarbeit ist vorbei, die Zukunft gehört der Wissensverarbeitung, den intelligenten und sauberen Jobs."

Was als (sozialdemokratische) Verheißung von zunehmender Automatisierung von schwerer, körperlicher Arbeit bereits in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts anklang, schien nun tatsächlich Wirklichkeit zu werden. Die Folgen sind allerdings längst nicht nur positiv. Arbeit wird elastischer, poröser, fluider. Damit sind für viele Arbeitende Unsicherheiten und Zumutungen verbunden, die neue arbeits- und sozialpolitische Antworten verlangen.

Die Krise der Arbeit wird unter anderem durch den digitalen Wandel begründet, der Arbeitsprozesse potentiell rationalisiert und somit Teilaufgaben erodiert. Und das, nicht erst seit der fortschreitenden Globalisierung mit einem internationalen Kontext: Gig-Worker kennen keine Grenzen.

Wir stehen heute erneut vor Paradigmenwechsel, der aus der Geschichte heraus wie ein Rückschritt wirken mag – einer Auslagerung der Arbeit. Nur, dass die Externalisierung  vorgeblich nicht an "ungleiche" menschliche Individuen erfolgt, wie in der Antike, sondern: an Maschinen- und Mechanical Turks, ohne Gesichter.

Mit "We can WORK it out" wollen wir eine Perspektive einnehmen, die sich jenseits von Arbeitsmarktpolitik und reiner Ingenieurswissenschaft und BWL den weltweiten Zukunftswelten der Arbeit zuwendet und sie wissenschaftlich und philosophisch durchdringt:

Welche Chancen wie Herausforderungen stellen sich in Architektur, persönlichen Lebensentwürfen, Ethik und Recht sowie Nachhaltigkeit? Welche Weichen müssen gestellt werden und welche Vorarbeiten sind schon jetzt zu leisten?

  • Wie sieht die Zukunft der (digitalen) Arbeit aus?
  • Welche Gruppen führen diesen Diskurs international?
  • Wie wollen wir in einer digitalen Welt lernen und arbeiten?
  • Wie prototypen wir die Zukunft schon heute?
  • Wie gestalten wir Produktionsabläufe ressourcenschonender, umweltfreundlicher und sozialverträglicher?
  • Gibt es ein Jenseits des Wachstums-Diktums?
  • Welche technosozialen Fragen werden aufgeworfen, die sich an andere typische re:publica-Diskurse (wie beispielsweise "Privacy" oder "Machtkomplexe") anknüpfen lassen?

Wir zeigen, wie KünstlerInnen, internationale AktivistInnen, die "Netzgemeinde" und WissenschaftlerInnen gemeinsam die Debatte um die Zukunft der Arbeit mitlenken können, um politische EntscheidungsträgerInnen weltweit anzuregen, den Arbeitsbegriff neu zu verhandeln und an einer nachhaltigeren und gerechteren Zukunft für Alle zu bauen

Wir erforschen, wie Arbeit heute schon aussieht, sich künftig verändert und gestalten lässt: individuell, betrieblich und gesellschaftlich. Und nutzen dazu Talks, Workshops, den hands on-Makerspace sowie künstlerische Ausdrucksformen – und selbstverständlich neue Medienträger wie Roboter.

Über die Maske zum Call for Participation könnt ihr auch eure Einreichungen zum Wissenschaftsjahr an uns schicken – wir melden uns dann spätestens im Februar bei euch- und stellen euch in der Zwischenzeit laufend die bereits bestätigten Speaker vor.

Wissenschaftsjahr 2018 – Arbeitswelten der Zukunft

Das Wissenschaftsjahr 2018 widmet sich dem Thema Arbeitswelten der Zukunft. Durch die Digitalisierung, alternative Arbeitsmodelle und die Entwicklung künstlicher Intelligenz stehen Forschung und Zivilgesellschaft vor neuen Chancen und Herausforderungen: Wie werden die Menschen in Zukunft arbeiten? Wie machen sie sich fit dafür? Und welche Rolle spielen Wissenschaft und Forschung bei der Gestaltung eben dieser neuen Arbeitswelten? Das Wissenschaftsjahr 2018 zeigt, welchen Einfluss technische und soziale Innovationen auf die Arbeit von morgen haben – und wie diese nicht nur den Arbeitsalltag verändern, sondern auch neue Maßstäbe im gesellschaftspolitischen Dialog setzen. "Erleben. Erlernen. Gestalten." – unter diesem Motto werden Bürgerinnen und Bürger im Wissenschaftsjahr 2018 dazu aufgerufen mit zu machen, neue Fragen zu stellen und gemeinsam Lösungsansätze zu finden.

Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD). Sie tragen als zentrales Instrument der Wissenschaftskommunikation Forschung in die Öffentlichkeit und unterstützen den Dialog zwischen Forschung und Gesellschaft. 

Wissenschaftsjahr 2018 - BMBF