2017-06-20

re:view – Digitalisierung im Grünen: Wie wollen wir leben?

Gesellschaftliche Teilhabe, Recht auf Stadt, Recht auf Internet, Diversität und Freiräume in der Stadt und auf dem Land – all jene Aspekte haben uns und euch unter dem Tack Digitalisierung im Grünen auf der #rp17 bewegt und sind noch lange nicht abschließend geklärt.

Und auch wenn ihr nicht dabei sein konntet – alle Themen findet ihr im Netz auf unserer Website oder auf unserem YouTube Kanal. Wir haben in einem re:view die wichtigsten Fragestellungen für euch zusammengestellt.

Wie wollen wir leben?

Orwell’s Animal Farm ist nicht mehr nur reine Utopie – in einem Social-Sensor-Experiment wurden drei Milchkühen 30 Tage lang begleitet. Die Reporter Björn Erichsen, Jakob Vicari und Bertram Weiß entwickelten zusammen mit Chapter One und dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) ein völlig neues, journalistisches Format: Ein Textroboter lässt mittels Sensordaten die vernetzten Tiere und Dinge um uns herum zu uns sprechen. Sensorjournalismus – ein Vorbote für den Umbruch, vor dem wir uns befinden.

Ohne Moos nix los – das gilt auch für die Gründer & Entwickler des City Trees. Sie stellen sich der Herausforderung, wie wir mittels der Digitalisierung Pflanzen einsetzen, um Umweltfragen zu lösen. Unter dem Motto “We grow clean air in cities“ werden Moose mittels IoT-Technologie für uns nützlich gemacht und sorgen für eine bessere Atemluft in unseren Städten

Wie viel unsere Städte mit Feinstaub belastet sind, können einige TeilnehmerInnen nun eigenständig messen – mit dem OK Lab Stuttgart konntet ihr euren eigenen Feinstaubsensor basteln, der nun zur Messung in Deutschland das Netz verdichtet und Werte in Echtzeit ermittelt.

Wie können wir digitale Technologien nutzen, um unsere Umwelt besser zu verstehen?

Ihr interessiert euch für eine selbst organisierte, gesunde Ernährung? Dann solltet ihr euch das Konzept des IPGartens im Nachgang zur #rp17 genauer anschauen. Seit August 2016 schafft euch das 9-köpfige Team vom IPGarten einen Freiraum, in dem ihr gärtnerisch ans Werk gehen und eigenständig sowie transparent Lebensmittel produzieren könnt. Per Knopfdruck düngen, bewässern und den Pflanzen beim Wachsen zuschauen. Mehr dazu von Philipp Wodara in seinem Talk “Der Garten der Zukunft schon heute“.

Berlin ist voller Grün – doch warum schauen wir so wenig hin? Und was braucht es, um unsere Wahrnehmung zu stärken? Martin Tscholl und Ulrike Sturm vom Museum für Naturkunde Berlin stellten auf der #rp17 die App “Naturblick“ vor, die unser Augenmerk auf die (Stadt-)Natur lenkt. Darüber hinaus diskutierten sie in ihrer Session das Verständnis von Natur in Berlin und die Herausforderungen in der digitalen Umweltbildung. Ihr wollt das Projekt noch einmal genauer unter die Lupe nehmen? Dann kommt zu Digitalisierung im Grünen am 29. Juni 2017 in den Wolkenhain auf der IGA Berlin! 

Wer hat das Recht auf Stadt? Und: Wie können wir gesellschaftliche Teilhabe fördern?

Was haben das Design Research Lab der UdK Berlin und die Prinzessinnengärten in Kreuzberg gemeinsam? Sie sind sich einig, dass die uns umgebende Technologie mehr und mehr unser Leben bestimmt und gleichzeitig die Freiräume kultureller Vielfalt schrumpfen.

Andreas Unteidig und Marco Claussen engagieren sich für den sozialen und kulturellen Austausch und schaffen dafür Plattformen, wie die Nachbarschaftsakademie. Angesichts der zunehmenden Wirtschaftsmonopole durch globale Player, die urbane sowie digitale Entwicklungen beeinflussen fordern sie: Reclaim your city for more diversity! Mehr dazu findet ihr hier in ihrem #rp17-Beitrag “Digital Commons, Urban Struggles and the Right to the City?“.

Wie wir uns in immer smarter werdenden Cities bewegen, wird zunehmend durch Technik gesteuert. Franziska Maria Tachtler wirft einen kritischen Blick auf die Datenerhebungen hinter den Smart Cities: Was hinter smarter Stadttechnologie steckt und wo noch mehr Transparenz bezüglich der von uns erfassten Bewegungsdaten notwendig ist, könnt ihr hier noch einmal nachhören.

Wie können wir Brücken bauen zwischen Stadt und Land?

Die Digitalisierung schreitet auch in der Provinz unaufhörlich voran. Welche neuen utopischen Orte dabei entstehen, erläuterte Simon Kowalewski in seinem Vortrag “Stadtflucht der Nerds“ mit dem er am 25. Mai unser 2. Symposium im Wolkenhain auf der IGA Berlin 2017 begleitete. 

Wie wir das Auseinanderbrechen von Stadt- zur Landkultur verhindern können und welche digitalen Bildungsinfrastrukturen dafür geschaffen werden müssen, diskutierten Sarah Brühl, Sebastian Köffer und Dominik Pascal Magin. Seht und hört selbst, wie digitale Hubs agieren sollten, um ländliche und städtische Regionen besser miteinander zu vernetzen.

Wie vernetzen wir AkteurInnen miteinander?

Bei unserem Digitalisierung im Grünen Meet-up haben sich nicht nur einige unserer #rp17-SprecherInnen getummelt. IGA goes digital – Jeannine Koch zeigte, dass Natur und Technik keinesfalls widersprüchlich sind: Die IGA stellt sich unter anderen den Fragen, ob die Zukunft der Landwirtschaft in der Digitalisierung liegt und wie wir die uns zur Verfügung stehenden Freiräume gestalten können. Welche Bedeutung urbane Freiräume und nachhaltiges Wachstum für die Stadtentwicklung haben, erläuterte Thies Schröder und verwies auf die metropolitain open space-Konferenz.

Unter dem gleichnamigen Titel “Digitalisierung im Grünen“ werden nicht nur unsere Symposien im Wolkenhain in Kooperation mit der IGA bis August 2017 an jedem letzten Donnerstag im Monat fortgeführt. Das Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung der TU Berlin geht ebenfalls in den Dialog und lädt euch ein zu ihrer Herbstakademie vom 4.-8. Oktober 2017.

Wir danken euch für die tollen Diskussionen, Beiträge und Anregungen auf der #rp17 und sind gespannt, was die Digitalisierung im Grünen bis zur nächsten re:publica vom 2.-4. Mai 2018 für uns bereithält.


Bildnachweis: re:publica/Jan Mischalko(CC BY-SA 2.0)