2017-06-16
re:view – Mobility & City: Wie smart werden unsere Städte?

Die Zukunft ist smart und digital – alles wird mit dem Internet verbunden sein. Das gilt auch für unsere Städte. Im Track Mobility & City diskutierten KünstlerInnen, Futuristen, PolitikerInnen und VertreterInnen aus der Automobilindustrie mögliche Szenarien, klimaneutrale Logistik und E-Mobilität.

Stuttgart 2035: Der Verkehr funktioniert vollautomatisch. E-Taxis und -Autos fahren ohne unser Zutun, ältere Menschen bewegen sich mithilfe von Exoskeletten. Im Restaurant gibt es Produkte aus dem eigenen Stadtgarten und über der Restaurant-Terrasse schweben Gondeln der städtischen Luftbahn. In medizinischen Notfällen bringt eine Drohne lebensrettende Medikamente und der Lieferverkehr stört die Städter nicht mehr, weil er nur noch unterirdisch stattfindet – genauso wie U-Bahn, Tram und Busverkehr. So stellt sich das Daimler-Innovationsteam die smarte Stadt in 20 Jahren vor.

Was ist eine Smart City?

“Smart City“ ist ein Sammelbegriff für ganzheitliche Entwicklungskonzepte, die Städte effizienter, grüner und sozial inklusiver gestalten sollen. Breiter gefasst fallen darunter auch nicht-technische Innovationen, die zu einem nachhaltigeren Leben in der Stadt beitragen sollen, wie etwa durch “Sharing“-Konzepte. Der Clou: Smarte Mobilität ist energieeffizient, emissionsarm, sicher und günstig. Eine Einführung zum Thema gibt der Talk der #rp17-Sprecherinnen Vanessa Thomas & Ding Wang "A Tale of two cities" oder der Beitrag von Usman Haque "Mutually Assured Construction".

Von der Vision ”Stuttgart 2035” sind andere deutsche Städte noch weit entfernt. Zurück auf dem Boden der Tatsachen kommen die Panel-TeilnehmerInnen bei der Diskussion "Driving the Energy Transition". "Obwohl sich jeder BMW-Kunde heute für eine E-Version seines Modells entscheiden kann, fehlt die Ladeinfrastruktur", sagt die BMW-Strategin Bianca Groß. Elektromobilität sei längst möglich, stoße in Deutschland aber auf große strukturelle Probleme. Das gelte vor allem für "Laternenparker", also Autobesitzer, die kein Eigenheim besitzen. Die meisten Städter also. Deshalb verkaufe BMW bislang die meisten E-Autos im Ausland, vor allem in China, den USA und Norwegen. Laut Groß liege der Anteil an E-Autos in Deutschland noch bei unter zwei Prozent.

"Das Auto allein kann die Zukunft nicht sein", entgegnet Mobilitätsforscher Andreas Knie. Ihm zufolge sei der Traum vom eigenen Auto völlig überholt. “Die Städter der Zukunft”, sagt er,  “nutzen das Smartphone als Schlüssel zur Mobilität“. Damit meint er Apps, die neben den öffentlichen Verkehrsmitteln auch den nächsten Carsharing-Standort anzeigen. Deshalb müssten sich Konzerne wie BMW vom klassischen Autoverkauf lösen. In Berlin gebe es derzeit rund 1,2 Millionen privat zugelassener Autos. Würden alle Berliner Autofahrer Carsharing benutzen, könne man den Stadtverkehr mit nur 350.000 Autos abdecken. "Stellen Sie sich diese Ruhe und den Platzgewinn nur mal vor", schwärmt Knie.

Berlin hat keinen Plan

In Sachen Digitalisierung kann Staatssekretär Christian Rickerts vom Berliner Senat im Panel "Smart and Rebel Cities – What‘s On" keine smarte Vision für die Hauptstadt anbieten. Die Frage, was Berlins digitale Strategie für die kommenden Jahre ist, umschifft er galant mit dem Hinweis auf den frischen Koalitionsvertrag der Landesregierung: "Wir sind gerade erst dabei, eine digitale Strategie für die kommenden Jahre zu entwerfen." Es bleibt also noch Zeit, sich etwas von den Vorreitern abzuschauen. Etwa von Barcelona. Die Stadt versteht sich nicht als "Smart City", sondern als "Rebel City" – eine Stadt, die basisdemokratisch BürgerInnen statt Konzerne bei digitalen Innovationen beteiligt.

Das waren natürlich nicht alle Diskussionsrunden, Talks und Meet-ups des Mobility & City-Tracks auf der #rp17. Alle Themen findet ihr hier, Video- und Audiomitschnitte findet ihr in den jeweiligen Sessions oder direkt im Audio-Archiv oder auf YouTube

von Theresa Krinninger (EJS)

Bildnachweis: re:publica/Gregor Fischer(CC BY-SA 2.0)