2017-06-22
re:view – sub:marine: In virtuellen Unterwasserwelten

Die Tiefen der Meere erfahrbar machen: Mit Virtual Reality konnte man bei der diesjährigen re:publica den Meeresbewohnern der Ozeane so nah wie nie zuvor kommen. Wie können wir aber die Ozeane nachhaltig nutzen, ohne sie zu gefährden? Wie können wir Meere, Korallenriffe und ihre Bewohner schützen? Bei zahlreichen Talks rund um das Thema sub:marine suchten Forscher Antworten.

Meere und Ozeane machen rund 70 Prozent der Erdoberfläche aus. Sie beherbergen unterschiedliche Ökosysteme und bieten wichtige Lebensräume für die verschiedensten Arten von Meeresbewohnern. Dabei sind viele Mechanismen der Weltmeere noch komplett unerforscht. Andere wurden gerade erst entdeckt.

So zum Beispiel die kleinen Wasserwirbel, die sich vor unseren Küsten bilden.  Bei “Uhrwerk Ozean – Grundlagenforschung, VR und Twitter-Trend“ berichteten die Küstenforscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (HZG) von ihrer Jagd auf die bislang unbekannten Meereswirbel. Vor zehn Jahren stießen sie das erste Mal auf diese kleinen Zahnräder der Meere. Heute wissen sie, wie wichtig sie für die Nährstoffversorgung ganzer Ökosysteme sind:

“Ähnlich wie die Zahnräder eines Uhrwerks greifen die Wirbel ineinander. Sie sind wichtig für die Algenproduktion und werden so zu einem unabdingbaren Teil der Nahrungskette“, sagte Burkard Baschek, Leiter des Helmholtz-Zentrums. Dabei seien die Wirbel nur wenige Kilometer groß und zerfielen innerhalb von zwölf Stunden wieder, was die Suche nach ihnen zu einer besonderen Herausforderung machen würde.

 

VR und 360 Grad lassen Zuschauer in die Forschung eintauchen

Um seine Ergebnisse einem großen Publikum zugänglich zu machen, hat das Helmholtz-Zentrum das crossmediale Projekt “Uhrwerk Ozean“ kreiert. Der 360-Grad-Film, der auf der re:publica zu sehen war, lässt den Zuschauer in die Küstenwirbel eintauchen und ihn neben Quallen und leuchtenden Photobakterien schwimmen.

Auch bei der Forschung zur Erhaltung bedrohter Ökosysteme bietet Virtual Reality ganz neue Möglichkeiten, wie Dr. Hauke Reuter vom Leibniz Centre for Tropical Marine Research bei “Corals, Reefs and VR“ erklärte. “Korallenriffe gehören zu den schönsten, aber auch am stärksten bedrohten Ökosystemen“, sagte Reuter. “Wenn große Teile des Great Barrier Reefs zerstört werden, würde es Jahrzehnte dauern, dass diese nachwachsen.“ Die größte Bedrohung für die Riffe seien der Klimawandel, die extensive Fischerei sowie die Meeresverschmutzung durch den Menschen.

 

Bedrohte Systeme virtuell am Leben erhalten 

Wer schon immer davon geträumt hat, neben den farbenprächtigen Korallen und Fischen des Great Barrier Reefs zu schwimmen, konnte sich bei der re:publica diesen Traum zumindest in der virtuellen Realität erfüllen. Auch im Labor arbeitet Meeresbiologe Reuter an virtuellen Korallenriffen. “Mithilfe von Virtual Reality kann die Entwicklung der Korallen unter verschiedenen ökologischen Bedingungen analysiert und vorhergesagt werden“, erklärte er. “Gleichzeitig wollen wir mit Virtual-Reality-Aufnahmen ein stärkeres Bewusstsein für die Schönheit und komplexen Bedürfnisse der Korallenriffe wecken.“

Das waren natürlich nicht alle Themen des sub:marine-Tracks auf der #rp17. Die Übersicht aller Diskussionsrunden, Talks und Workshops findet ihr hier, Video- und Audiomitschnitte findet ihr in den jeweiligen Sessions oder direkt im Audio-Archiv oder auf YouTube

von Rachelle Pouplier (EJS)

Bildnachweis: re:publica/Gregor Fischer (CC BY-SA 2.0)BMBF / Wissenschaftsjahr 2016 * 17