2017-02-21

#rp17-Speakerin: Christine Corbett Moran

So schlecht es um die amerikanische Demokratie derzeit stehen mag, noch florieren zumindest die Wissenschaften. Nach Lisa Winter kommt auch unsere nächste Speakerin aus Kalifornien eingeflogen:  Christine Corbett Moran. Sie ist Astrophysikerin, beschäftigt sich außerdem mit Open Source-Code für verschlüsselte Messenger und hat die App Signal mitentwickelt. Als wäre das noch nicht genug, überwinterte sie jüngst auf einer Forschungsstation in der Antarktis, um sich auf das nächste große Abenteuer vorzubereiten: die unendlichen Weiten des Weltraums. Von all dem erzählt sie bei ihrem Talk auf der #rp17!

Nach ihrem Studium am Massachusetts Institute of Technology hat Christine 2014 an der Züricher Universität zum Thema Astrophysik promoviert. Seitdem ist sie als Postdoktorandin beim California Institute of Technology im Bereich der theoretischen Physik, Astronomie und Astrophysik tätig. Nebenbei hat sie bei der Entwicklung und Programmierung des Signal iOS-Messengers und der App Circle of 6 zum Schutz vor sexueller Gewalt mitgewirkt. Sie lernt Mandarin, schreibt Sci-Fi Novellen und ist gerade unter den letzten 50 FinalistInnen von über 18000 BewerberInnen bei der NASA. Bereits zum zweiten Mal hat sie sich dort als beworben, um ihren großen Traum zu verwirklichen: Astronautin zu werden.

Auf der #rp15 hat sie im Weltall-Kleid einen Vortrag mit dem Thema “Simulating the universe: supercomputer in astrophysics“ gehalten (hört hier ihren letzten Vortrag). Wir freuen uns darauf, Christine Corbett Moran dieses Jahr wieder als Speakerin auf der re:publica begrüßen zu dürfen. Im Mai wird sie über den Südpol, Astronomie und Meeresforschung reden – wie das alles zusammenhängt, wird an dieser Stelle noch nicht verraten.

Nicht ohne Grund dreht sich ihr diesjähriger Talk um die Antarktis. Ganze elf Monate hat die Astrophysikerin auf der Amundsen-Scott-Südpolstation verbracht – und ist damit sie die 1478ste Person und die 217te Frau, die den sogenannte “winterover” am Südpol überstanden hat. Ihre Arbeit zu kosmischer Mikrowellenhintergrundstrahlung fand dabei über mehrere Monate hinweg ohne Sonnenlicht und bei Temperaturen von bis zu -70 Grad Celsius statt. Die Wintermonate am Südpol eignen sich wegen der andauernden Dunkelheit perfekt, um astronomische Untersuchungen durchzuführen. Auf ihren beiden Twitter-Accounts ist ihr Aufenthalt ausführlich dokumentiert, dort könnt ihr unter anderem beeindruckende Bilder von Polarlichtern und dem Radioteleskop entdecken, aber auch Fun Facts zu dem isolierten Leben auf der Südpolstation. Unter dem Hashtag #polecardclub versammeln sich zahlreiche AbonnentInnen ihres Newsletters, die eine von Christine Corbett Moran geschriebene Postkarte vom Südpol bekommen haben. Insgesamt hat sie in elf Monaten 317 Postkarten verschickt. 

#rp17-Speakerin Christine Corbett Moran im Kurzinterview:

Gab es einen besonderen Moment bei deiner Überwinterung?
Ich glaube, meine außergewöhnlichsten Momente waren da draußen im antarktischen Winter über meinem Kopf Auroras und Sternen und dabei zu wissen, dass ich vielleicht die Einzige auf dem Kontinent bin, die diese Ansicht hat. Man muss überwintern, um die Auroras am Südpol zu sehen und wegen der Isolation der Aurora-Aktivitäten und der konstanten Dunkelheit ist es eine der einzigartigsten und speziellsten Erfahrungen.

Kannst du uns einen kleinen Teaser für deinen #rp17-Vortrag geben?
Mein Vortrag wird sich mit der Frage beschäftigen, wie Wissenschaft unser Verständnis von der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Erde beeinflusst, besonders in fordernden Umgebungen wie den Ozeanen, der Antarktis und der Internationalen Raumstation (ISS).

Was lässt dich laut lieben (‘love out loud’)?
Alle meine Open-Source-Projekte neben meinem Job als Physikerin lassen mich laut lieben. Meine Stimme für eine bessere Zukunft abzugeben und lautstark dafür einzutreten, was ich wertschätze und meiner Überzeugung zu folgen, dass die Werkzeuge, die wir kreieren oder uns dagegen entscheiden, unsere Welt gestalten.

@corbett und @codexgalactic

Bildnachweis: Christine Corbett Moran (CC BY-NC-ND 2.0); Auroras/Christine Corbett Moran (CC BY-NC-ND 2.0)