2017-04-13

#rp17-Speakerin: Silvia Lindtner

Zum ersten Mal dürfen wir auf der #rp17 Silvia Lindtner als Speakerin begrüßen: Euch erwartet ein Talk darüber, wie die chinesische Industriestadt Shenzhen sich zum "Silicon Valley of Hardware" entwickelt hat: Ex Oriente Make. Ihr Forschungs- und Lehrschwerpunkt liegt auf der Interaktion von Menschen und Computern, technologischer Innovation, Maker- und DIY-Kultur. Die Maker-Bewegung in China, die nationale Produktions- und Industrieentwicklung und das Land selbst stehen dabei für Silvia Lindtner besonders im Fokus.

Nach ihrem Studium in Medientechnik und -design im österreichischen Linz hat sie an der University of California im Bereich Informationswissenschaften und Informatik promoviert. Als Postdoktorandin war sie zugleich an der University of California und der Fudan Universität in Shanghai tätig. Mittlerweile ist Silvia Lindtner Assistenz-Professorin an der School of Information der University of Michigan. Zusätzlich ist sie an der Penny W. Stamps School of Art and Design als Dozentin aktiv.

Gemeinsam mit zwei Kollegen hat sie 2011 die internationale und interdisziplinäre Forschungsinitiative “Hacked Matter” gegründet, die technologische Innovationsprozesse und Grassroot-Bewegung im urbanen China verfolgt. Die Plattform bietet für chinesische und internationale Akteure die Möglichkeit zur Vernetzung und Zusammenarbeit bei zahlreichen Veranstaltungen, Workshops und Publikationen.

#rp17-Speakerin Silvia Lindtner im Kurzinterview:

Was macht die Maker-Kultur in China so besonders?
Genau wie in vielen anderen Teilen der Welt gibt es in China begeisterte Open Source Hardware-Bastler, die schon vor Jahren Maker- und Hackerspaces aufgebaut haben, und Ideen einer alternativen technologischen Gesellschaft verbreiten. Zur gleichen Zeit gibt es in China aber auch noch ein anderes Making: die industrielle Produktion, handwerkliches Gewerbe, und Reparatur sind ein zentraler Teil vieler Städte in China, aber vor allem in Shenzhen. Wired UK hat Shenzhen 2016 als "Silicon Valley of Hardware" zelebriert. Diese zwei Maker Kulturen Chinas verschwimmen also in Shenzhen, eine Stadt, die zu einer Art Labor für Macher und Unternehmer wurde, in dem nicht nur neue Technologien produziert werden, sondern auch mit neuen professionellen Identitäten experimentiert wird.

Bei “Hacked Matter” finden sich zahlreiche Akteure zusammen, um über technologische Innovation zu diskutieren – was hat dich zur Gründung des Research Hubs bewegt?
Hacked Matter wuchs aus einer Zusammenarbeit mit Anna Greenspan (NYU Shanghai) und David Li, dem Begründer China's ersten Hackerspace (XinCheJian). Ich lernte beide während meiner ethnografischen Forschung in China in 2009 kennen, und wir trafen uns regelmäßig um über Making, China, Technologie, die Veränderung der Stadt und andere Dinge zu debattieren. Die Idee dahinter war, einen kollaborativen und interdisziplinären Forschungsansatz zu entwickeln, der China ernst nahm als eine Region, die die technologische Gegenwart und Zukunft mit beeinflusst. Wir wollten damit auch verbreitete Vorurteile wie China als Land der Kopien oder des billigen Produzierens hinterfragen, und andere – vor allem Teilnehmer aus dem Westen – damit konfrontieren, dass unsere eigenes Konsumverhalten und Verlangen nach immer besseren und billigen elektronischen Geräten viele Probleme wie Verschmutzung in China mitverursachen.

Kannst du uns einen kleinen Teaser für deinen #rp17-Vortrag geben?
In meinem Vortrag werde ich aufzeigen, wie sich die Industriestadt Shenzhen innerhalb von nur drei Jahren von einem Image der Kopie und der Produktion minderer Qualität in ein Labor der Zukunft verwandelte, das vor allem für Maker und Unternehmer aus Europa und Amerika als so hoffnungsvoll erschien, gerade weil Manufaktur und handwerkliche Tätigkeiten nach wie vor zentraler Bestandteil der Wirtschaft sind. Shenzhen ist eine Stadt, in der Menschen aus dem Westen die Zukunft sehen, weil sie nicht nur technologische Ideen verwirklichen können, aber auch mit sozialen Prozessen und ihrer eigenen professionellen Identität experimentieren können.

Was lässt dich laut lieben (‘love out loud’)?
Frauen, die an meiner Seite kämpfen. Minderheiten für die ich kämpfen darf.

@yunnia

Fotocredit: Jeffrey Bardzell