2017-05-10

Trollen gegen den Krieg

Die globale Waffenindustrie liefert Kriegsparteien stetig Nachschub, Deutschland ist daran maßgeblich beteiligt. Das Peng!-Künstlerkollektiv fordert am Dienstagabend auf der re:publica eine Regulierung.

Deutschland ist weltweit drittgrößter Waffenexporteur. Vor allem deutsche Kleinwaffen sind in fast allen Krisengebieten im Einsatz. Weil das der Wirtschaft zugutekommt, reguliert die Bundesregierung den Export kaum. Dabei verpflichtet Artikel 26 des deutschen Grundgesetzes zu Frieden: "Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig.“

Dieser Friedensanspruch steht mit dem Profitgedanken der Waffenindustrie in krassem Gegensatz, sagt der Peng!-Pressesprecher, der unter seinem Künstlernamen “Jessica Gräber” auftritt. Das Berliner Kollektiv setzt sich aus Künstlern, Wissenschaftlern und Handwerkern zusammen und ist für subversive Aktionskunst und zivilen Ungehorsam bekannt. Zurzeit setzt es sich für ein starkes Bundesgesetz ein, das Rüstungsexporte regulieren soll – so unwahrscheinlich es auch ist, dass sie sich gegen die Rüstungslobby durchsetzen können.

Um die Öffentlichkeit zu informieren und Druck auf Wirtschaft und Politik auszuüben, hat Peng! vor Kurzem drei Kampagnen gestaltet, die es in seinem Talk vorgestellt hat: Ein vermeintliches Wahlkampfvideo der CDU, das sich für mehr Gefühl und weniger Waffen einsetzt, ein Rückruf aller Heckler & Koch-Waffen in den USA und Friedenspreise für die Waffenindustrie machten zunächst als seriöse Headlines die Runde. Erst später enthüllte Peng! seinen Coup.

Mit dieser Satireaktion hat Peng! bereits die Aufmerksamkeit der Politik erreicht. Die Kulturstiftung des Bundes hat dem Kollektiv und seiner Kooperation mit dem Schauspielhaus Dortmund 150.000 Euro für weitere Kampagnen bewilligt.

von Franziska Hoppen und Marcello Kaiser (EJS)

Bildrechte und Videorechte: re:publica/Marcello Kaiser (CC BY-ND 2.0)