Community Management hat uns gezeigt: Qualitätsjournalist*innen müssen auch Psycholog*innen sein.

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Die Erfahrungen im Community Management (CM) während der Coronakrise zeigen: Wir müssen uns im Qualitätsjournalismus viel stärker mit den psychologischen Mechanismen beschäftigen. Welche journalistischen Konzepte, Inhalte und Formate bei der Bewältigung dieser Herausforderung helfen können, erklärt Tom Klein, Koordinator CM beim HR.
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Die Erfahrungen aus mehr als zwei Jahren Coronakrise, die wir im Community Management (CM) im Hessischen Rundfunk gewonnen haben, sind vielfältig. Die zentrale Erkenntnis aus den Social-Media-Debatten lautet: Journalist*innen, die faktenbasierten Qualitätsjournalismus machen und Publika damit auch nachhaltig erreichen wollen, müssen sich dringend mit den psychologischen Mechanismen auseinandersetzen, wie Menschen Informationen aufnehmen und Realität in sich bilden.

Sie müssen verstehen, dass ihre faktenbasierten Informationen konkurrenzfähig zu den (wissenschaftsfeindlichen) Desinformationen produziert, verpackt und ausgespielt werden müssen – egal auf welchem Ausspielweg. So können wir einer Krise der freiheitlichen Demokratie in Deutschland vorbeugen, wie wir sie beispielsweise aktuell in den USA und Großbritannien sehen. Deren Demokratiekrisen zu einem guten Teil Realitätswahrnehmungskrisen sind.

Liberale Demokratien setzen voraus, dass die Menschen, die über Entscheidungen verhandeln, von der selben Faktengrundlage ausgehen. Den Medien in diesen Demokratien kommt die Aufgabe zu, diese Fakten zu recherchieren, zu überprüfen, zu kontextualisieren und zu vermitteln. Viele Medien und Journalist*innen kommen dieser Aufgabe gewissenhaft nach, genügend andere (bewusst) nicht. Untersuchungen zeigen, dass die Menge irreführender und unwahrer Informationen im Netz dramatisch gestiegen ist.

Bei der Bekämpfung dieser "Infodemie" geht es im Kern um Vertrauen. Menschen glauben den Personen, denen sie vertrauen, und da Menschen heute häufig entfremdet von Politik und Machtstrukturen sind, gibt es in Folge auch eine Problematik in der Realitätskonstruktion. Gutes Community Management kann helfen, diese Vertrauenslücke wieder zu schließen. Welche journalistischen Konzepte, Inhalte und Formate im Community Management bei der Bewältigung dieser Herausforderung helfen können, auch darum geht es in diesem Vortrag. Und um die Frage, was das für den Qualitätsjournalismus im Allgemeinen bedeutet.