re:view – Love Out Loud: Die Lösung heißt Liebe

Der Track Love Out Loud soll vor allem als Einladung verstanden werden, bei Fehlentwicklungen – ob in Softwares oder der Gesellschaft aktiv zu werden. Ein Rückblick, was auf der re:publica 2017 passierte.

 

LOVE

“Frag nicht, was Free Software für dich tun kann. Frag, was du für Free Software tun kannst.” So formulierte Jérémie Zimmermann den Imperativ der Liebe. Software, Gesellschaft und Menschen haben Makel. Wenn wir das annehmen, gäbe es zwei Möglichkeiten: Wir können Fehler ablehnen oder wir können sie als Möglichkeit begreifen, etwas zu verändern. Freie Software verkörpere dieses Bild perfekt: Einen Fehler sehen, heißt, die Möglichkeit zu bekommen, sich einzubringen. Zimmermann nennt das “Failosophy“: Aus Fehlern lernen, eine bessere Gesellschaft, bessere Gesetze oder eben bessere Programme zu entwickeln. Wer dieses Perspektive für sich annehme, werde “vom Konsumenten zum Teilhaber“. Dann sei Liebe keine Eigenschaft, sondern eine gestaltende Tätigkeit.

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Jérémie Zimmermann talking about Love Against the Machine

OUT

Wenn der im Exil lebende türkische Journalist Can Dündar zum Kampf für die Pressefreiheit aufruft, spricht er nicht nur für sich selbst. Er spricht für all jene, die das weltweit nicht (frei) können, weil sie inhaftiert oder ihre Zeitungen, Radiostationen und Verlage geschlossen wurden. Für Carolin Emcke, Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels, sollten wir alle für diejenigen eintreten, die sich nicht selbst wehren können. “Es braucht andere, die widersprechen. Jene, die nicht gemeint sind, sich aber gemeint fühlen.“ Denn gerade wer Meinungsfreiheit genieße und wer nicht von Hatespeech attackiert werde, habe die Kraft sich einzubringen.

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Can Dündar at re:publica 2017

 

LOUD

Als Maya Ofir Magnat fünf Jahre alt war, sagte sie zu ihrem Vater: “Wenn ich groß bin, möchte ich Prostituierte werden.” Als sie dann groß war, hat sie sich entschlossen, Sexual Education zu studieren. Denn nur, weil eine Gesellschaft hypersexualisiert sei, bedeute das nicht, dass sie aufgeklärt ist. Über Sex, Politik und Gesellschaft reden sei vielleicht nicht die Lösung, aber ein Anfang, sagte Magnat. Wie wichtig reden auch für im Netz aktive Menschen ist, zeigt sich etwa im Porno der Zukunft. In Virtual Reality-Pornos ist derzeit besonders die “Girlfriend-Experience” gefragt. Mit VR-Brillen können Gamer einfach neben einer Frau schlafen, die leise atmet und wenn der Gamer aufwacht, fragt sie: “Geht es dir gut?”

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Maya Ofir Magnat: Make love not porn

 

Probleme, die sich heute zeigen, beruhen auf Basisemotion wie Angst. Die Zukunft muss uns aber keine Angst machen. Technologie hat dem Menschen nicht nur Filterblasen und Hatespeech gebracht, sondern auch Liebe, Lust und Zärtlichkeit. Es muss nicht “Love Against the Machine” heißen. Es kann auch “Making Love with Machines” heißen. Die Liebe sei ein Level weiter als der Hass. Sie liege hinter der Angst. Wie man dahin kommt, weiß Carolin Emcke nicht zu beantworten. Aber sie ermutigt, einfach loszulaufen. Lieben sei auch ein Denken, “dass zuerst noch nicht um die Richtung besorgt ist.“

Das waren natürlich nicht alle Diskussionsrunden, Talks und Meet-ups des Love Out Loud-Tracks auf der #rp17. Alle Themen findet ihr hier, Video- und Audiomitschnitte findet ihr in den jeweiligen Sessions oder direkt im Audio-Archiv oder auf YouTube

von Marlene Brey (EJS)

Bildnachweis: re:publica/Gregor Fischer(CC BY-SA 2.0); Screenshots Jérémie und Maya via YouTube

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