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Empathie-Maschinen? - Virtual-Reality-Datenbrillen im Einsatz für gute Zwecke

Short thesis

VR-Datenbrillen ermöglichen es, immersiv aus der Perspektive eines Avatars zu agieren und quasi beliebige virtuelle Handlungszusammenhänge sowohl kognitiv als auch emotional nachvollziehen zu können. Dementsprechend existiert eine Vielzahl an Anwendungen, welche darauf ausgelegt sind, Empathie mit in der VR erscheinenden Individuen zu erzeugen. Die Frage, welcher im Vortrag nachgegangen werden soll, lautet demnach, ob VR-Datenbrillen die Bezeichnung „Empathie-Maschinen“ zurecht tragen – oder ob es nicht auch gegenläufige Momente gibt.

Description

Die Unterscheidung zwischen natürlicher und virtueller Realität soll durch VR-Technologien langfristig aufgehoben werden. VR-Datenbrillen initiieren so gleichsam eine neue Generation an immersiven Medieninhalten. Diese ermöglichen es den Nutzern, neue Erfahrungswelten erschließen zu können. VR-Datenbrillen erlauben eine in diesem Ausmaß zuvor nicht dagewesene Leichtigkeit bei der Identifikation mit Avataren, Spiel- oder Filmfiguren. Durch VR-Datenbrillen kann erfahren werden, wie es ist, jemand anderes zu sein, etwa ein Mensch einer anderen Hautfarbe, eines anderen Geschlechts, eines anderen Alters oder eines anderen Kulturkreises oder auch ein Tier.

Diesen Umstand macht sich eine ganze Reihe an Anwendungen für VR-Datenbrillen zunutze. So mag es nahe liegen, VR-Datenbrillen als "Empathie-Maschinen" zu bezeichnen, wenn man eindrückliche VR-Demos wie beispielsweise iAnimal der Tierrechtsorganisation Animal Equality, in welcher man das Leben von Schweinen und Hühnern in der Massentierhaltung aus deren Perspektive nacherleben kann, das Project Syria von Nonny de la Peña, in welchem man auf einer belebten Straße in Aleppo „hautnah“ einen Raketeneinschlag miterleben kann, oder die 360°-Reportage Clouds Over Sidra der Filmemacher Gabo Arora und Chris Milk, in welcher man virtuell in ein jordanisches Flüchtlingslager versetzt wird, betrachtet. 

Diese Empathie generierende, technisch vermittelte Perspektivübernahme scheint eine sozial wünschenswerte Medienwirkung zu sein. Diese jedoch wird konterkariert durch das Isolationsarrangement, welches zur Benutzung von VR-Datenbrillen erforderlich ist, um ausschließlich digital erzeugte Stimuli auf sich wirken zu lassen. Diese Isolation, welche eine Grundbedingung für die Nutzung von VR-Datenbrillen ist, löst Mediennutzer aus ihrem sozialen Kontext heraus. Damit wird letztlich genau das, was eigentlich gefördert werden sollte, behindert – nämlich die Fähigkeit, empathisch zu sein.

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