Gekränkte Männlichkeit, Internet und misogyner Terror

Veronika Kracher

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Zusammenfassung
Halle, Christchurch, Bratislava - rechtsextremer Terror geht immer mit Antifeminismus einher. Die Incel-Subkultur begründet ihre bis zum Terror reichende Gewalt mit Misogynie und gekränktem Anspruchsdenken. Eine Radikalisierung erfolgt primär online. Wie also hängen gekränkte Männlichkeit, Online-Radikalisierung und Terrorismus zusammen?
Spiegelzelt
Vortrag
Deutsch
Conference

Misogynie und Antifeminismus sind integraler Bestandteil rechtsradikaler und -extremer Ideologien, und finden sich immer wieder in rechtsterroristischen Manifesten und Livestreams wieder. Das Verschwörungsnarrativ des "Großen Austausch", das unter anderem die Attentäter der antisemitischen Anschläge von Pittsburgh (2018), Poway (2019) und Halle (2019), oder der rassistischen Anschläge von Christchurch (2019) Hanau (2020) und Buffalo (2022) als Grund für ihre Gewalttaten angeführt haben, ist inhärent antifeministisch. Mitglieder der Incel-Subkultur, deren Terroranschläge bereits über 50 Menschenleben gekostet haben, begehen ihre Gewalt aus gekränkter Männlichkeit und Misogynie heraus. Sie alle behaupten: die feministische Emanzipation ist zu weit gegangen und bedroht eine Welt, in welcher der weiße, heterosexuelle cis Mann die uneingeschränkte Herrschaftsposition inne hat. Ihr Terrorakt soll einerseits als Strafe an eine liberale, moderne Gesellschaft fungieren, andererseits als "Wiederherstellung" einer entwendet geglaubten Männlichkeit.

Sie radikalisieren sich primär online - auf Foren, Imageboards, klassischen Social Media-Plattformen. Gerade Antifeminismus und LGBTQ-Feindlichkeit dienen hier regelmäßig als "Türöffner" in Rechtsextremismus und Incel-Ideologie. Denn: die Abwertung von Frauen und queeren Menschen ist keine Angelegenheit von Incels und Cybenazis, sondern integraler Bestandteil der cismännlichen Sozialisation.

Dieser Vortrag wird anhand der Analyse von Primärquellen (Manifeste, Foreneinträge) eine sozialpsychologische und feministische Analyse leisten, wie gesellschaftlich vermittelter Frauenhass sich online radikalisiert und letztendlich im Terrorakt enden kann.

Veronika Kracher ist Autorin und Publizistin, ihre Arbeitsschwerpunkte sind Antifeminismus, Online-Radikalisierung und Rechtsextremismus. 2020 veröffentlichte sie das Buch "Incels - Geschichte, Sprache und Ideologie eines Online-Kults", seit 2021 ist sie bei der Amadeu Antonio-Stiftung tätig.