Public Transit: For the people – by the people?

Science & Technology
re:publica 2015

Kurzthese: 

Warum kannst du im vereinten Europa immer noch keine Tür-zu-Tür-Fahrplanauskunft von Nancy nach Berlin bekommen? Warum geht nicht einmal eine Suche nach dem günstigsten Ticket in den nächsten Nachbar-Verkehrsverbund, die deine Monatskarte mit berücksichtigt? Und warum stellen heutige Apps ÖPNV, Fahrrad- und Carsharing als konkurrierende Alternativen, aber nicht _inter_modal dar? Innovation findet immer noch top-down statt, mit großen Forschungsprojekten. Es wird Zeit für Open-Source-Innovation!

Beschreibung: 

Eine ganze Reihe von Apps sorgt mittlerweile dafür, bequem und günstig von A nach B zu kommen. ÖPNV-Verbindungen werden schön aufbereitet, mit Taxis, Car- und Bikesharing verglichen – da ist die autofreie Stadt nicht mehr weit!

Aber weit gefehlt. Wer nämlich mit dem eigenen Rad zur Bahn und danach mit dem Miet-Smart günstiger zum Ziel käme, bekommt diese Auskunft nicht. Denn, egal welche App: ÖPNV, Rad und Taxi werden immer noch als Konkurrenten dargestellt, nicht als Gesamtsystem. Und was in Berlin prima funktioniert, stößt anderswo ganz schnell an seine Grenzen. Wer von einem Verbundsystem in ein anderes möchte, bekommt von der DB ein „Preisauskunft nicht möglich“ um die Ohren gehauen. Eine Least-Cost-Auskunft, die eine eigene Monatskarte für die Hälfte der Strecke berücksichtigt? Undenkbar. Und sobald Staatsgrenzen überschritten werden, scheitern die Apps.

Aber warum? Warum halten die Verbünde ihre Auskunftssysteme – die als Basis für die Mobilitätsapps dienen – für unantastbar? Warum müssen wir uns mit One-Size-Fits-All-Lösungen herumschlagen? Warum findet die Weiterentwicklung immer noch nur in millionenschweren, trägen Forschungsprojekten statt, anstatt durch Civic-Hacking-Projekte?

Was dort nämlich bereits passiert ist, ist großartig: Von in Eigeninitiative entstandenen Abfahrtsanzeigen an öffentlichen Orten, bis zu selbstgelöteten Sensoren, um verspätete Busse zu registrieren. Und was alles möglich wäre: Bessere Auskünfte für Menschen mit Rolli oder Kinderwagen. Die beste Tramstrecke von A nach B mit einem Zwischenstopp für einen Supermarkteinkauf. Das Auto-Navi, das den P+R-Parkplatz am Rand der nächsten Stadt ansteuert, um ohne Stau und mit günstiger Anbindung zum endgültigen Ziel zu kommen. Oder Offene Hardware, die kleinen Busunternehmen überhaupt erst ermöglicht, Echtzeitinformationen und gesicherte Umsteigeverbindungen anzubieten.

Die Open-Transit-Bewegung kann viel erreichen – und aus ÖPNV für Menschen auch einen ÖPNV mit Menschen machen. Wenn man sie lässt.

STG-9
Mittwoch, 6. Mai 2015 -
18:00 bis 18:30
Deutsch
Vortrag
Fortgeschrittene

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