Wie Redaktionen Bewusstsein für und Lösungen gegen News Avoidance schaffen

Astrid Maier, Susanne Amann, Yannick Dillinger, Christiane Uebing

Zusammenfassung
Immer mehr junge Menschen meiden Nachrichten bewusst, weil die Flut an Krisenbotschaften sie überfordert. Damit brechen die Nutzer*innen von morgen weg. Wie können Redaktionen trotz Transformationsmüdigkeit und Kostendruck mehr Bewusstsein für das Thema schaffen, Ressourcen frei räumen und welche Lösungen haben sich gegen News Avoidance bewährt?
Podiumsdiskussion
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Immer mehr Menschen meiden bewusst Nachrichten, weil sie die Flut an Krisenbotschaften überfordert. Laut dem Digital News Report des Reuters Institute for the Study of Journalism aus dem Jahr 2022 gaben 38 % der Befragten an, dass sie Nachrichten oft oder manchmal meiden - dies ist ein Anstieg um 29 % im Vergleich zum Jahr 2017. Rund 36 % - vor allem unter 35-Jährige - gaben an, dass Nachrichten ihnen schlechte Laune mache. Hinzu kommt: Gerade die Jüngeren konsumieren Nachrichten über Plattformen wie TikTok oder Snapchat, ihr Vertrauen in klassische Medien sinkt. Mitten in der digitalen Transformation wartet für die Medienbranche die nächste essentielle Herausforderung - und dieses Mal geht es um nichts weniger als die inhaltliche Erneuerung. 

In den Redaktionen gibt es dafür oft noch kein Problembewusstsein, denn noch sind Newsrooms mit der digitalen und technologischen Transformation beschäftigt. Hinzu kommen angesichts von Inflation, steigender Energie- und Papierpreise Kosten- und Spardruck. Für das Thema News Avoidance bleiben deshalb oft weder Raum noch Energie. In kaum einer Branche klaffen Selbst- und Fremdwahrnehmung zwischen Produzent*innen und Konsument*innen so auseinander wie im Mediengeschäft. Das ist schlecht für die Zukunft des Journalismus und damit schlecht für die demokratische Gesellschaft. 

Wie können Medienmacher*innen in dieser Gemengelage dennoch Bewusstsein für die News Fatigue schaffen? Wie können Ressourcen frei geräumt werden für dieses existenzielle Thema und vor allem - welche Lösungen, Formate, inhaltliche Erneuerungen haben sich schon bewährt, um die Menschen für Journalismus wieder zu begeistern? 

Darüber wollen wir diskutieren mit Medienschaffenden von angestammten großen Marken, Regionalzeitungen sowie dem Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk und möglichst viele konstruktive Einblicke sammeln, damit Zuhörende Lösungen in ihre eigenen Redaktionen implementieren können. 

 

 

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Stellv. Programmchefin NDR Info