Leben und Sterben lassen im Heise Forum: Kommunikationskultur in offenen Internetforen

Politics & Society
re:publica 2014

Short thesis: 

Offene Foren sind die Hölle des Netzes. Offene Foren sind das Nirwana, das Paradies, der schönste Ort im Internet. Gibt es etwas dazwischen? Anscheinend nicht. Und leider wird offenen Foren, die weitgehend ohne radikale Eingriffe und Vorab-Zensur des Betreibers leben und die pseudonyme oder anonyme Kommentar zulassen, immer mehr die Luft abgedreht. Wir halten das für eine sehr betrübliche Entwicklung: Offene Foren, in denen User ungeschminkt (und manchmal eben auch über die Stränge schlagend) diskutieren können, halten wir für eine der großen Errungenschaften der digitalen Vernetzung, die ihren Weg aus Usenet und Fidonet (to name a few) in die Weiten des Web gefunden hat.

Description: 

Viele Blogger trauen sich schon aus Angst vor juristischen Attacken nicht mehr, ihren Kommentarbereich völlig offen zu gerstalten. Dazu der ständige Zoff mit den Trollen, die manchmal noch so schöne Debatten destruieren können. Darüber hinaus gehen selbst große Seitenbetreiber zunehmend dazu über, Kommentare nur noch nach Vorabkontrolle freizuschalten. Auch wird immer wieder die Ideologie des "offenen Visiers"propagiert, werden Kommentare nur noch mit Klarnamen zugelassen - hinter der Begründung, die Diskussionskultur heben zu wollen, versteckt sich aber allzu oft auch nur der Wunsch, sich nicht mit eventuell endlosen juristischen Streitereien beschäftigen zu müssen.

Das muss nicht so sein. Wir beschreiben aus der Sicht eines Foren-Betreibers und anhand der heise-Foren,

  • das Leben mit der begeisterten und engagierten Community,
  • das Leben zwischen "Zensur-Arschloch" und "bestochenem Idioten",
  • wie man ein dickes Fell bekommt, um in den Foren zu überleben,
  • in welche Rollen man gerät und wie man damit umgeht,
  • welche juristischen Fallstricke es gibt,
  • welche juristische Gegenwehr und Vorsorge sinnvoll ist,
  • was man als Foren-Betreiber von den Usern erwarten kann,
  • was man als Foren-Betreiber von den Usern erwarten muss,

und diskutieren mit den Session-Teilnehmern deren Probleme als Blog- und Forenbetreiber und deren Fragen zu offenen Foren.

Natürlich: Trolle nerven. Aber Trolle tauchen nur da auf, wo es eine lebendige Diskussionskultur gibt - die Provokation, die Lust an der Destruktion erfährt nur dort Befriedigung. Und Trolle können äußerst lustig sein. Natürlich: Die Aficionados nerven - manchmal ist man beides gleichzeitig, bestochenes, unkritisches Arschloch und Hyperkritiker, der grundsätzlich gegen (...was auch immer...) ist. Natürlich muss man sich immer wieder mit rechtlichen Aspekten auseinandersetzen, auch wenn man eigentlich gar keine Lust dazu hat. Aber: Offene Foren sind nicht nur eine Errungenschaft für die freie Meinungsäußerung. Sie machen auch unendlich viel Spaß, sowohl für den Betreiber wie für die Beteiligten.

stage E
Wednesday, May 7, 2014 -
16:45 to 17:15
German
Discussion
Beginner

Speakers

Stellv. Chefredakteur c't / heise online