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ArchaeoGaming: Wie Archäologie die zukünftige Videospielkultur formen wird

Short thesis

ArchaeoGaming ist eine junge Disziplin zwischen Wissenschaft und Spielplatz. Sie wendet archäologische Methoden auf das bedeutendste und gleichzeitig jüngste Unterhaltungsmedium der Moderne an: Videospiele. ArchaeoGamer hinterfragen die Entscheidungen der Entwickler, die bei der Erschaffung der virtuellen Welt getroffen wurden und eröffnen so neue, überfällige Perspektiven auf die Videospielkultur. Mein Talk beantwortet das "Wie?", "Warum?", "Wieso erst jetzt?" — nicht zwingend in dieser Reihenfolge.

Description

Die Klassische Archäologie kann mittlerweile auf eine über 500-jährige Geschichte zurückblicken: Die Beschäftigung mit den materiellen Überresten antiker Kulturen begann als Orchideen-Wissenschaft und entwickelte sich schnell zur identifikationsstiftenden Disziplin ganzer Nationen. Während die Archäologie heute eine Kulturwissenschaft ist, so sind Videospiele seit Beginn der 1980er Jahre ein aufstrebendes Kulturmedium, das mehr und mehr in den Fokus der Gesellschaft rückt. Längst vorbei ist das belächelte Nischendasein, stattdessen erschaffen mitunter riesige Teams Jahr für Jahr gigantische Spielwelten, die ihre Einflüsse aus verschiedenen Epochen der Menschheitsgeschichte ziehen, diese frei miteinander kombinieren und so etwas ganz Neues schaffen. Genau an diesem Schnittpunkt beginnt sich nun eine neue wissenschaftliche Disziplin zu entwickeln: ArchaeoGaming.

Das Ziel dieser jungen Wissenschaft ist ein größeres Verständnis für die Entscheidungen der Entwickler, eine virtuelle Welt über Jahre hinweg zu schaffen, wie sie uns schließlich im fertigen Spiel präsentiert wird — und welche Rückschlüsse diese Entscheidungen auf unsere gesellschaftlichen Normen zulassen. Doch auch der Spaß am Analysieren, Vergleichen und Forschen spielt hier eine große Rolle.

Nur einige wenige Archäologen unternahmen bisher erste zaghafte Versuche, Archäologie und Videospiel zu verbinden, der internationale Startschuß blieb bis heute aus — obwohl die Bedingungen hervorragend sind: Die Videospielbranche beherbergt überdurchschnittlich viele Geisteswissenschaftler und fachlich interessierte Autoren. Doch auch Laien können sich an ArchaeoGaming problemlos beteiligen. Noch dazu wird der Bedarf an kulturkritischen Auseinandersetzungen mit dem Medium bisher vor allem im deutschsprachigen Raum kaum gedeckt. Mit ihren Methoden und Ansätzen könnte ArchaeoGaming die Diskussionen rund um Videospiele endgültig auf eine neue Ebene heben und die virtuellen Welten endlich als das erforschen, was ihnen nach wie vor nur selten zuerkannt wird: Als Kulturräume. Warum das alles notwendig und längst überfällig ist, will dieser Talk möglichst anschaulich und auch für Nicht-Spieler geeignet erklären. 

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