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Beginner
Fliegende Computer und ihre tollkühnen Piloten

Short thesis

Spielzeug-Drohnen sind entgültig im Massenmarkt gelandet. Die Ausweitung unseres Handlungsspielraums in die 3. Dimension bringt Action-Spaß, nie dagewesene Kunstaktionen – aber auch ganz neue Risiken, von Privatsphäreverletzungen über Unfälle bis hin zu Terrorismus. Anti-Drohnen-Systeme versprechen, Copter zu erkennen und abzuwehren. Und die Politik beginnt, den Luftraum zu regulieren. Brauchen wir eine Netzneutralität der Lüfte? Im multimedialen Talk präsentiere ich die Recherchen meines Radiofeatures.

Description

Smartphones? Voll 2013. Kaum eine Technologie entwickelt sich im Jahr 2016 so rasant weiter, wie die der Spielzeugdrohnen. Die Quadrocopter werden immer günstiger und leistungsfähiger. Autonome, vorprogrammierte GPS-Missionen sind längst Standard. Dieses Jahr bringen IT-Riesen wie Intel eigene Coptersysteme auf den Markt, die dank ausgereifter Bilderkennungs-Algorithmen ihren Herrchen hinterherfliegen und "Dronies" produzieren; auf der Skipiste, beim Kajakfahren oder im Wald. Hindernissen wird automatisch ausgewichen, in atemberaubender Geschwindigkeit.

Auch Künstler und Aktivisten nutzten die fliegenden Computer. Eine Open-Source-Drohne für Grafitti-Sprühdosen, der symbolische Transport von Abtreibungspillen über die polnische Grenze oder der Abwurf von Flugblättern über einer NSA-Zentrale sind nur erste Beispiele für die unbegrenzen Möglichkeiten der Ausweitung unseres Handlungsspielraum in die 3. Dimension.

Doch mit den wachsenden Verkaufszahlen häufen sich auch die Unfälle, die Sicherheitsprobleme und großen Fragen an die traditionell hinterherhinkende Gesetzgebung. Wenn Hobbygeräte Passagierflugzeuge zur Notlandung zwingen, wenn beflaggte Copter in Fußballstadien Massenschlägereien auslösen, wenn eine Spielzeugdrohne vor den Füßen der Bundeskanzlerin landet oder systematisch Atomkraftwerke überflogen werden, wächst der Markt für Drohnen-Abwehrsysteme. Schließlich soll sogar die Terrororganisation IS derzeit mit Drohnen experimentieren..

Immer mehr Firmen versprechen, herannahende Copter erkennen und abwehren zu können: mit Laser und Wasserstrahlen, mit gebündelten Funkwellen oder ultraschnellen Abfang-Drohnen, an denen große Fangnetze baumeln.

Doch am Ende ist es eine gesellschaftliche Frage, die an die Anfänge des Internets erinnert: Wie reguliert eine Gesellschaft ein neues Medium mit seinen schier unbegrenzen Möglichkeiten? Gibt es auch Schattenseiten von Geofencing, Drohnenregistrierung und Luftraum-Regulierung? Was hat das Open Airspace Manifesto mit Netzneutralität zu tun?

Fürs Deutschlandradio Kultur, für den Zündfunk sowie SWR2 Wissen produziere ich zu April/Mai 2016 ein Forschungsfeature zur Copterabwehr. In meinem Talk erzähle ich von den Recherchen, Erkenntnissen und Begegnungen. Ich zeige all die Filme und Fotos, die im Radio unsichtbar bleiben.