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Die Lehren von der Reformation bis zur Aufklärung für das Netz von heute

Short thesis

Von der Hoffnung, das Netz mache die Welt zu einem besseren Ort, indem es jedem demokratische Teilhabe ermöglicht, ist nicht mehr viel übrig. Für Johanna Haberer, Professorin für christliche Publizistik, sind die Parallelen zur Reformation augenfällig: Martin Luther nutzte den Buchdruck, um die Eliten der Deutungsmacht zu berauben, indem er informationelle Selbstbestimmung forderte. Bis die Gegenreformation dieselben Instrumente verwendete. Weiß die Religion also, wie wir das Netz retten können?

Description

Als Martin Luther sich in der Wartburg daran machte, die Bibel in ein Deutsch zu übersetzen, das auch den einfachen, ungebildeten Menschen zugänglich war, steckte dahinter die Idee eines Gegenentwurfs zur feudalistischen Herrschaftsstruktur. Bis dahin hatten die kirchlichen Hierarchien das alleinige Sagen darüber, wie das Wort Gottes zu deuten sei, und sie machten sich diese Macht weidlich zunutze. Die religiöse Wirklichkeit war die alles bestimmende Macht der damaligen Zeit und kaum jemand konnte hinter ihre Kulissen blicken. Der Begriff Hokuspokus beispielsweise hat seinen Ursprung darin, dass die Menschen schlicht nicht verstanden, was am Altar vor sich ging, wenn der Pfarrer dem Volk den Rücken zuwandte, um in lateinischer Sprache das Abendmahl zuzubereiten. Für sie war das ein Akt der Zauberei. Luther trug entscheidend dazu bei, die Eliten zu entzaubern. Mit seiner Bibel konnte und sollte sich jeder selbst vor Gott verantworten können. Doch die Gegenreformation ließ genauso wenig auf sich warten wie der Furor des Volkes, das sich bald mit Gewalt gegen die Eliten zur Wehr setzte – gegen den erklärten Willen Martin Luthers.

Johanna Haberer, evangelische Theologin und Professorin für christliche Publizistik in Erlangen, zeigt in ihrem Buch „Digitale Theologie“ die Parallelen zwischen damals und heute auf. Sie schreibt: „Das Medienzeitalter der Reformation hat sich langfristig vergleichbar revolutionär auf das Denken, Leben und Arbeiten der Menschen ausgewirkt wie die kleine Zusammenschaltung einiger bis dahin unbekannter Informatiker aus Massachusetts.“ Gemeinsam mit dem Publikum diskutieren wir darüber, inwieweit die Religion helfen kann, zu verstehen, was in unserem gegenwärtigen Zeitalter vor sich geht, und wie wir als Gesellschaft, aber auch individuell darauf reagieren können. Dafür hat sie „Zehn Gebote für die digitale Welt“ formuliert: „Du brauchst dich nicht vereinnahmen zu lassen“ etwa oder „Du gestaltest die Gesellschaft, wenn du dich im Netz bewegst“.