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„Meine Oma ist kein Mythos“ – warum die Facebook-Kommentarspalte die Geisteswissenschaften rettet

Short thesis

Die Geisteswissenschaften befinden sich mal wieder in der Krise. Ihr Nutzen wird immer öfter angezweifelt, weltweit werden geisteswissenschaftlichen Fakultäten kleingespart oder geschlossen. Dabei ist geisteswissenschaftliche Forschung vor allem in gesellschaftspolitischen Debatten wichtig. Anhand u.A. der facebook-Kommentare zu Themen der deutschen Vergangenheit wollen wir zeigen, warum Geisteswissenschaftler*Innen gebraucht werden und warum sie die Facebook-Kommentarspalte brauchen.

Description

Geisteswissenschaftler*Innen und ihre Forschungsergebnisse erreichen meist nur ein kleines Publikum: in erster Linie Menschen, die sich ohne Zwang für ihre Forschungsthemen interessieren. Dabei verlieren die Geisteswissenschaftler*Innen aber einen großen Teil der Bevölkerung aus den Augen. In Zeiten des Internets wird dies besonders deutlich. Ein Beispiel: 2014 erschien Leonie Trebers Dissertation „Mythos Trümmerfrau“. Vor allem in der Berichterstattung über die Dissertation auf Social-Media-Seiten wurde schnell klar, dass das Thema kontrovers aufgenommen wurde. Dabei wurde aus der eigenen Familiengeschichte geschlossen, dass Trebers Dissertation schlecht sei, sie politisch tendenziös forsche und geschichtliche Forschung generell infrage zu stellen sei.

Was ist die Lehre aus diesem Beispiel? In unserem Talk wollen wir zunächst vorstellen, wie geisteswissenschaftliche Forschung im Netz vermittelt und wahrgenommen wird. Was bringt es, wenn Forscher*Innen bloggen? Kann eine Facebook-Kommentarspalte politisch bilden? Müssen Geisteswissenschaftler*Innen ihren Elfenbeinturm endlich verlassen? Wie kann das Internet überhaupt dabeihelfen, dass die Lebenswelten von „Forschenden“ und „Gesamtbevölkerung“ sich wieder annähern? Und ist der Kampf um eine geschichtsbewusste und wissenschaftsfreundliche, also demokratische Gesellschaft vielleicht schon verloren?