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Twitter als Schlachtfeld: Gaza-Krieg in den sozialen Medien.

Short thesis

Dass soziale Medien Teil politische Kommunikation sind, ist nicht erst seit IS und Trump bekannt. Am Beispiel des Nahost-Konflikts lässt sich die Bedeutung sozialer Medien für die militärische Kommunikation gut zeigen: Bereits im Libanonkrieg 2006 nutzen die Konfliktparteien der Hisbollah und der Israelischen Armee (IDF) soziale Medien für ihre strategische Kommunikation. Die israelische Armee (IDF) gilt international als Vorreiter dieser relativ neuen Facette der Militärkommunikation. Das verändert den Krieg, die Öffentlichkeit, die Politik. Und die Armee selbst.

Description

„Consider this: A country can declare — via Twitter — that it is at war. If that doesn’t make the Internet real, I don’t know what does” (Buzzfeed 15.11.2012)

Der Vortrag basiert auf einer Forschungsarbeit zur Darstellung der letzten Gazaoffensive "Protective Edge" durch die IDF auf Twitter. Über sieben Monate (die Zeit des Krieges sowie drei Monate zuvor und drei Monate danach) wurden mehr als 2000 Tweets gesammelt und ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen: Die IDF versteht es, nahezu in Echtzeit direkt von den Schauplätzen des Krieges zu berichten, postet Informationen, Videos, Grafiken. Gerade in Zeiten restriktiven Zugangs für unabhängige Beobachter zu den Kriegsschauplätzen wird die Darstellung der IDF damit zu einer wichtigen Quelle. Die bewusste Vermischung von Nachrichten, Meinungen und emotionalen Botschaften wird dabei zu etwas, das man „affektive Nachrichten“ nennen könnte. Diese Art der politischen Kommunikation ist eingebunden in eine auch organisationelle Umgestaltung der militärischen Kommunikation und verbunden mit erheblichem Aufwand. 

Der Vortrag gibt einen Überblick über die Imagebildung der Armee über Twitter in Friedenszeiten und Thematisierung des Krieges während der Gazaoffensive. Welche Themen wurden behandelt, wie wird Twitter bewusst als Mittel der Propaganda und politischen Meinungsbildung genutzt, wie agieren genuin hierarchische militärische Strukturen im Umfeld von Twitter, dessen Nutzung anderer Logiken bedarf? Diese Fragen werden anhand der durchgeführten Inhaltsanalyse der 2048 Tweets diskutiert und mit Beispielen illustriert. 

Zudem wird versucht, abseits des rein phänomengebundenen Blicks diese Art militärischer Kommunikation als Teil einer Entwicklung von Diplomatie und soft power zu verstehen.