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Why Hackers Should Be Fed

Short thesis

Was bleibt von den Ideen und Idealen freier Arbeit, von Free Software und Freiem Wissen, wenn Menschen im Rennen gegen Maschinen, sowie Menschen im Rennen gegeneinander bestehen müssen? Wie kann Freiheit, Selbstbestimmung und Teilhabe heute noch gesichert werden? – Wir stellen zwei Konzepte vor: Freelancer-Solidarität mit Joel Dullroy & das bedingungslose Grundeinkommen mit Matthias Spielkamp.

Description

Independents unite!

Eine Kurzpräsentation von Joel Dullroy – auf Englisch

As the number of freelancers grows, so too does the urgency of creating a movement to improve their social, political and economic situation. Joel Dullroy is editor of the forthcoming e-book “Independents unite! Inside the freelancers’ movement”, which follows the different groups which are building this new social infrastructure by learning from recent political uprisings and using social media tactics.

 

Die andere Perspektive: Das bedingungslose Grundeinkommen

Vortrag von Matthias Spielkamp – auf Deutsch

  • Wenn wir keine alternativen Modelle zur Finanzierung menschlicher, sozialer Reproduktion schaffen, werden wir das Rennen gegen die Maschine ("race against the machine"), das in Wahrheit ein Rennen gegen den grenzenlosen Kapitalismus der Mega-Unternehmen der Neuzeit ist, verlieren. Indem wir uns als Individuum „mit Haut und Haar“ der Wertschöpfung unterwerfen, uns als fixes Kapital betrachten, das seine ständige Reproduktion, Modernisierung, Erweiterung und Verwertung erfordert, verraten wir die Ideen und Ideale von Free Software und Freiem Wissen: Freiheit, Selbstbestimmung und Teilhabe.

Die "Rationalisierung und Kommodifizierung des Selbstseins" (Eva Illouz) durch Internetunternehmen – nicht zuletzt Social Networks - nimmt Dimensionen an, die weder Marx (wie auch?), noch der Philosoph des Bedingungslosen Grundeinkommens, André Gorz (zu früh gestorben), vorhersehen konnten. Die "soziale Wertschöpfung" (Tiziana Terranova) nimmt einen immer größeren Raum ein, was festzustellen genau keine kulturpessimistische Verdammung von FB, Twitter und Google+ ist, sondern allein deshalb festgestellt werden muss, weil die monetäre Wertschöpfung, die daraus folgt, nur bei den Unternehmen bleibt, die die Plattformen betreiben. Die „Selbst-Unternehmer“ aber müssen sich mit Brosamen abspeisen lassen.

Gorz bezeichnet mit dem Begriff des Selbst-Unternehmertums diejenigen, die den Unterschied zwischen Individuum und Unternehmen, zwischen Arbeitskraft und Kapital für sich selbst aus der Welt geschafft haben. Die sich dem Sich-selbst-Produzieren völlig unterworfen haben - sich selbst, als Arbeitskraft, als fixes Kapital betrachten, „das seine ständige Reproduktion, Modernisierung, Erweiterung und Verwertung erfordert."

Und nun unternehmen die Netz-Giganten auch noch immer häufiger den Versuch, sich die immateriellen Werte anzueignen, die die Nutzer auf ihren Plattformen erzeugen: Anerkennung, Communities, Playlists etc. Der Kreis schließt sich.

Sind die, die Gorz beschreibt, nicht wir? Die wir – oft genug - das große Loblied auf die Freiheit singen, die nichts anderes ist als die Freiheit dazu, sich ausbeuten zu lassen und dabei zu glauben, wir täten es selbstbestimmt, weil wir Spaß an dem haben, was wir tun?

Aber gibt es eine andere Perspektive, aus der man diese Situation betrachten kann? Es gibt sie: das bedingungslose Grundeinkommen.

Philippe van Parijs, der geniale Ideengeber des Grundeinkommens, sagt, es hätte keine bessere Strategie geben können, das bedingungslose Grundeinkommen in Deutschland wieder auf die Tagesordnung zu setzen (die Idee ist ja schon einige Hundert Jahre alt), als das ALG II einzuführen. In der Szene, in der wir uns bewegen, gibt es keinen besseren Grund, die Diskussion wieder aufzunehmen, als den Kampf um freien Zugang zu Wissen und Kultur und die expansiven Allmachtsphantasien (und -praktiken) der Apples, Googles, Facebooks.

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