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German
Discussion
Intermediate
Ziemlich schlechte Freunde? Depression und Social Media

Short thesis

Mit zwei sehr unterschiedlichen und individuellen Erfahrungen bitten wir Kati Krause und Uwe Hauck zur Diskussion über Depression und Social Media. Was sind die Faktoren, die Medien wie Facebook und Twitter zu einer Stütze bei Depressionen machen können und was führt zum genauen Gegenteil?

Description

Kati Krause: Warum Depressionen und soziale Medien nicht zusammenpassen

Im Oktober 2014 erkrankte ich an einer Depression. Das ist an sich nicht weiter bemerkenswert, das passiert zwischen 16 und 20 Prozent aller Deutschen mal in ihrem Leben. Ich tat, was man in so einer Situation eben tut: Ich lag tagelang zuhause auf dem Sofa und  spielte mit meinem Telefon. Facebook, Instagram, Twitter, ein fröhlicher Reigen.

Doch aus dem Reigen wurde ein Teufelskreis, mit jeder Umdrehung ging es mir schlechter, und am Ende half nur noch eine Verzweiflungstat: Ich löschte alle Social-Media-Apps – und begann, herumzufragen. Zuerst unter Freunden und Bekannten, dann bei praktizierenden und forschenden Psychiatern. Und alle berichteten das gleiche: Bei einer Depression sind soziale Medien (bis auf sehr wenige Ausnahmefälle) tabu.

Uwe Hauck: Wie mich meine Depression fast das Leben kostete und wie die Onlinewelt mir half

Nach einem Suizidversuch wanderte ich durch insgesamt 3 psychiatrische Einrichtungen. Von dem, was ich dort erlebte, berichtete ich in meinem Blog und auf Twitter unter dem Hashtag #ausderklapse, das bald auch für mich eine Art Ventil und Therapie werden sollte.

Ich möchte von meinen Erfahrungen berichten aber auch das Bewußtsein für die Wichtigkeit einer frühzeitigen Suizidprävention und für die Möglichkeiten schärfen, einen drohenden Suizid zu verhindern. Zusätzlich will ich eine Brücke zum Netz und den sozialen Medien schlagen, die mir und einigen meiner Mitpatienten in der Krise geholfen haben. Gerade die Netzwerke waren es, die mich in Krisen stabilisierten und mir wichtige Impulse gegeben haben.

Wer psychisch krank ist, braucht Hilfe, bekommt sie aber in unserer Gesellschaft oft nicht oder wird dann als verrückt stigmatisiert.