Crafting Critics und Critical Crafting – über die Angst vor der Neuen Häuslichkeit

Arts & Culture
re:publica 2015

Short thesis: 

Das Aufleben der Handarbeit wird in Medien, die sonst wenig vom Feminismus halten, als dessen „Abgesang“ bezeichnet. Doch was als Kritik an der “Neuen Häuslichkeit” gelabelt wird, ist mal wieder nichts anderes als Abwertung von Weiblichkeit und steht in einer langen Tradition. Kritik darf nicht bei Blümchenmustern ansetzen. Der Mainstream wendet sich gegen einzelne Personen, ihre Vorlieben und ihr Tun, aber nicht gegen gesellschaftliche Systeme, die z.B. dafür verantwortlich sind, dass DIY-Blogs von nicht-Weißen oder nicht-Heteras weniger rezipiert werden.

Description: 

Immer mal wieder lassen sich Feuilletons großer Zeitungen oder auch Frauenzeitschriften dazu herab, mit gerümpfter Nase auf auf den “neuen” DIY-Trend zu schauen. Handarbeit sei was für Omas, die nichts anderes gelernt haben, als traditionell weibliche Tätigkeiten - für emanzipierte und moderne Frauen gehöre sich das nicht. Doch was als Kritik an der “Neuen Häuslichkeit” gelabelt wird, ist mal wieder nichts anderes als Abwertung von Weiblichkeit und steht damit selbst in einer langen Tradition. Wer DIY als “Abgesang auf den Feminismus”, sieht, weiß anscheinend nicht, welche Bedeutung diese Bewegung zum Beispiel für die Riot-Grrrls in den 90ern hatte.

Die Kritik an “Neuer Häuslichkeit” wendet sich im Mainstream gegen einzelne Personen, ihre Vorlieben und ihr Tun. Dass Frauen ihre Arbeiten nun in Blogs zeigen, sich darüber austauschen oder gar Geld damit verdienen, wird als negativ bewertete Selbstdarstellung bezeichnet. Hier versteckt sich das sexistische Vorurteil, dass Frauen zurückhaltend sein müssen und nicht selbstbewusst präsentieren dürfen, was sie leisten.

Kritik wäre an ganz anderer Stelle angebracht. Bei der Betrachtung von viel gelesenen Handarbeitsblogs fällt auf, wie wenig Diversität dargestellt wird: Aufmerksamkeit bekommen selten Personen, die nicht-weiß oder nicht-hetero sind. Auch DIY-Communitys reproduzieren sich immer weiter selbst und auch im Internet herrschen Diskriminierungsstrukturen.

Im Vortrag soll analysiert werden, welche Möglichkeiten gerade marginalisierte Gruppen durch Handarbeiten und durch die Kombination aus Handarbeit und Internet bekommen. Wie weit hergeholt ist die Befürchtung einer “Neuen Häuslichkeit” und was bedeutet das eigentlich? Welche queer-feministischen Kritikpunkte lassen sich an DIY-Communitys wirklich finden?

STG-8
Thursday, May 7, 2015 -
16:15 to 16:45
German
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Beginner

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Germanistin & Autorin