Fremd gehen immer nur die anderen – Liebe und Beziehung in Zeiten der Digitalität

Politics & Society
re:publica 2015

Short thesis: 

Auf Online-Partnerbörsen kann man die Liebe des Lebens, einen Weggefährten für kurze Zeit, eine Affäre oder auch den einen oder anderen kolossalen Reinfall kennenlernen. Aber das Internet ist nicht nur eine weitere Form, mit bisher Unbekannten in Kontakt zu treten. Es ändert auch die Art, wie wir Beziehung wahrnehmen und leben.

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Die Qual der Wahl

Wer weiß, was für einen Partner er oder sie sucht, findet online schnell ein passendes Forum. Wer es nicht weiß, kann viel entdecken und wer Abwechslung oder sich sexuell ausprobieren möchte, wird ebenfalls fündig. Das Internet ist ein Ort unglaublich vielfältiger Möglichkeiten. Dabei könnte man sich fragen, ob uns das Angebot überfordert oder uns verführt, traditionelle Vorstellungen von Bindung zu überdenken.

Die Beziehung im Schaufenster

Auf jeden Fall sind Beziehung, Alleinsein und alles dazwischen öffentlicher denn je, sie sind für viele Menschen Teil der digitalen Selbstdarstellung. Diese wird nicht nur in den Feuilltons gern als Zeichen von Narzissmus interpretiert. Das ist nicht zwingend falsch. Sie kann aber auch der Auslotung eigener Bedürfnisse dienen.

Bitte eine Tüte Gemischtes

Und eventuell stellt man im Spannungsfeld zwischen Selbstinszenierung und Angebotsvielfalt plötzlich auch klassische Rollen- und Beziehungsmodelle in Frage. Dabei kann man online vielfältige Einblicke in alternative Partnerschaftskonzepte nehmen. Aus der starr wirkenden monogamen Tradition unseres Kulturkreises wird für Interessierte eine Welt voller theoretischer und bereits gelebter Möglichkeiten sichtbar. Begleitet wird das von gesellschaftlichen Entwicklungen, die tradierte Ehe-Grundlagen wie konservative Moralvorstellungen oder die ökonomische Abhängigkeit der Frau vom Ernährer, aufheben.

Liebe ist gut für alle

Die Rezeption neuer Formen von Bindung ist wahrscheinlich zunächst einmal auf eine digitalaffine Bohème beschränkt. Gleichwohl zeigt die Entwicklung in anderen Themenbereichen, wie schnell sie ihren Weg in den Mainstream finden. Beziehung und Liebe entkoppeln sich zunehmend von Ökonomie und moralischen Traditionen und emanzipieren sich so zu einem freiwilligen Konzept, das auch neuen Strukturen gegenüber offen ist. Das Internet fungiert hier - wie in vielen anderen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen - als Katalysator und Beschleuniger.

STG-6
Thursday, May 7, 2015 - 12:30 to 13:30
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