Öffentlich-rechtliche Medien als digitales Paradies – eine Halluzination!

Media
re:publica 2015

Short thesis: 

Wir berichten live und in Echtzeit aus dem Jahr 2020. Der Journalismus ist verschwunden. Facebook hat Netz und Medien komplett kolonialisiert. Und jetzt? Nur die öffentlich-rechtlichen Medien bleiben über. Sie sind sogar cool. Das geht nicht? Klar geht das! Hier lang! Seit zehn Jahren arbeiten Lydia Meyer und Markus Heidmeier für öffentlich-rechtliche Medien – als Redakteur_in, Autor_in, Strategieberater_in. Sie performen ihre 10 Thesen aus der Zukunft der öffentlich-rechtlichen Medien, diskutieren sie mit dem Publikum diskutieren, sammeln neue Thesen ein und verabschieden sie dann als Ad-Hoc Manifest von der rp15.

Description: 

THESEN: 

1    Verfügbarkeit der Inhalte: Alle öffentlich-rechtlich produzierten Inhalte gibt es in einem digitalen und onlinebasierten sogenannten D-Player. Öffentlich-rechtliche Inhalte sind überall und zeitlich unbegrenzt verfügbar. Rechtliche Fragen wie Autoren- und Mitwirkendenverträge müssen gelöst werden. Archive sind zudem öffentlich.

2    Medienpolitik: Partizipation ist Realität, Dialog Alltag. Die Kontrollgremien werden öffentlich gewählt. Jeder Wahlberechtigte kann Mitglied eines Kontrollgremiums werden. 

3    Verantwortung für Innovation: Öffentlich-rechtliche Medien tragen gerade mit Blick auf den technologischen Fortschritt und ihre Sonderstellung im Medienwettbewerb eine besondere Verantwortung für die Weiterentwicklung der publizistischen Innovation. Diese publizistische-technische Innovation wird Teil ihres staatsvertraglichen Auftrags. Darüber hinaus fließen 25% aller Gebührenmittel in einen Innovationspool. Mittel aus diesem Innovationspool sind für alle zugänglich. Ein Board aus Vertretern der Rundfunkanstalten und der Kontrollgremien vergeben die Mittel vierteljährlich. 

4    Grundversorgung 1: Grundversorgung muss alle Menschen erreichen ist plattformunabhängig. Aufgrund technischer Innovationen (Digitalisierung, Onlinekommunikation) einerseits und sinkenden Marktzugangsschwellen für Dritte werden die linearen Angebote der Rundfunkanstalten für Radio und Fernsehen um ca. 50 % reduziert. 25 % der frei werdenden Mittel werden für Innovation durch Dritte zur Verfügung gestellt. Weitere 25 % der Mittel setzen die Rundfunkanstalten für die Entwicklung und Distribution von Inhalten auf nicht linearen elektrischen Kanälen ein. 

5    Grundversorgung 2: Grundversorgung bedeutet aber auch, dass öffentlich-rechtliche Medien ihre Korrespondenznetze und Produktionsstrukturen für Dritte bereitstellen.

6    Grundversorgung 3: Öffentlich-rechtliche Medien fordern und benötigen Netzneutralität! Sie sind aber auch kostenfrei für Nutzer über Mobilfunknetze verfügbar. Hierzu handeln die Rundfunkanbieter Verbreitungsverträge mit deutschen Providern aus.

7    Erfolgskriterien: Für Rundfunkanbieter, Programme und Sendungen werden fortlaufend Erfolgskriterien entwickelt. Diese Erfolgskriterien sind nicht nur quantitativer Art, sondern auch qualitativer Art. Die Erfolgskriterien sind öffentlich. Sie werden fortlaufend evaluiert (siehe Medienforschung). 

8    Bildungsauftrag: Öffentlich-rechtlichen Medien gehen ihrem Bildungsauftrag nach. Inhalte werden explizit in Kooperation mit Bildungsinstitutionen entwickelt. Neben der Entwicklung expliziter Inhalte und Verbreitungswege für Bildungsinstitutionen schaffen die Rundfunkanbieter  eigenen Bildungsangebote auf Basis eigener Inhalte (z.B. MOOCs etc.). Auch die Vermittlung von Medienkompetenz ist Teil des staatsvertraglichen Auftrags. 

9    Medienforschung ist ein permanenter öffentlicher Prozess. Quantitativer Erfolg ist immer nur ein Teil des staatsvertraglichen Auftrags (siehe oben). Medienforschung hat immer das Ziel Nutzer in den Mittelpunkt zustellen. Das heißt nicht, dass ausschließlich quantitativ erfolgreiche Sendungen weiterentwickelt werden.  

10    Die Haushaltsabgabe ist einkommensabhängig.

 

 

STG-8
Wednesday, May 6, 2015 -
15:00 to 16:00
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