Wie Privat ist zu Privat? – Die tägliche Entscheidung eines Familien-Bloggers

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re:publica 2015

Short thesis: 

Auf Familienblogs bekommt der Leser oft einen kleinen, privaten Einblick in das Leben des Bloggers. Einige schreiben anonym, zeigen sich, aber keine Fotos ihrer Kinder, auf anderen Blogs wird ein offener Umgang gepflegt. Sind Kinderfotos schon ein Eingriff in die Privatsphäre? Ist ein detaillierter Geburtsbericht zu privat und hat nichts in der Öffentlichkeit verloren? Begünstigen Blogs mit privaten Themen negative Kommentare, Hater oder sogar Stalker? Wo ist die Grenze zwischen sich mitteilen und austauschen und zu privat? Gibt es die überhaupt? Gemeinsam mit drei Familien Bloggerinnen will ich diesen Fragen auf den Grund gehen.

Description: 

Familienblogs die ihren Schwerpunkt im Redaktionellen sehen, kommen nicht immer umhin, auch private Einblicke zu geben. Schließlich teilen sie Anekdoten aus ihrem Leben, wollen Erfahrungen weiter geben. Wenn Familienblogs für die Blogosphäre so unerheblich wären, würde es nicht über 1600 geben, die allein bei Brigitte Mom registriert sind. Den Leser interessiert es, wie es bei anderen Familien zugeht, wie die Kinder erzogen werden, ob die Wohnung immer aufgeräumt ist und das Leben pädagogisch wertvoll ausgerichtet ist. Zeitschriften, Filme und Werbespots spiegeln längst nicht den Alltag in Familien wider, Verwandschaft ist nicht immer in der Nähe, Freunde sind kinderlos, es fehlt der Austausch. Dabei spielen Familienblogs eine wichtige Rolle.

Es stellt sich jedoch die Frage, wieviel Einblick man dem Leser gewährt. Verfremdet man die Namen der Kinder? Zeigt man sie? Schreibt man nur allgemeingültige Artikel oder polarisiert man vielleicht mit seiner eigenen, subjektiven Erfahrung. Was für den Einen völlig unprivat ist und durchaus ins Netz gehört, stößt beim Anderen auf Unverständnis. Die Beziehung zum Mann, Familienfotos, Geburtsberichte, Krankenheiten der Kinder - ein No-Go oder völlig normale Themen im Familienleben? Viele Blogs, viele Ansichten, viele Erfahrungen.

Gemeinsam mit anderen Familienbloggerinnen möchte ich darüber reden, wo die eigene Grenze des Privaten liegt. Warum die Eine Kinderfotos zeigt, die Andere nicht. Ist es allein um sein Kind vor potentiellen Missbrauch der Fotos auf unseriösen Seiten zu schützen? Stellt man sein Kind offensichtlich bloß und erschwert ihm später die Akzeptanz in der Gruppe? Oder sind Medien so ein dominierender Bestandteil im täglichen Familienleben, dass unsere Kinder mit dem öffentlichen Leben später weitaus gelassener umgehen, als wir es vermuten? Auch soll die Frage besprochen werden, ob private Themen erst Recht Angriffsfläche für negative Kommentare, Shitstorms oder sogar Stalker bieten. Oder ob dies eine leidliche Begleiterscheinung der sozialen Netzwerke ist.

Wo fängt das Private an? Welche Themen haben im Netz nichts zu suchen? Gibt es überhaupt ein Zu-Privat?

STG-11
Wednesday, May 6, 2015 -
13:45 to 14:45
German
Discussion
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