#rp25-Sprecherin Esther Mwema: Visionen für unsere digitale Zukunft

27.02.2025 - Welche Erzählungen gibt es zum Ursprung des Internets – und warum stehen die Visionen von Big Tech dazu im Widerspruch? Darüber spricht die Künstlerin und Expertin für digitale Ungleichheit Esther Mwema!
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Foto von Esther vor hellem Hintergrund. Sie trägt ihre lockigen Haare hoch zusammengebunden und steht vor einem hellen Hintergrund.
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Atlantic Fellows for Social and Economic Equity

Das Internet hält unsere Gesellschaft zusammen. Egal, ob es um einen Serienmarathon, um Geldtransfers, um die Recherche für einen Vortrag oder um die Partner*innen-Suche geht – all diese Aktivitäten laufen zunehmend online ab. Obwohl das United Nations Human Rights Council den Internetzugang vor mehr als zehn Jahren zum Menschenrecht erklärt habe, besäßen viele Menschen immer noch keinen ausreichend guten Zugang zur digitalen Sphäre, schreibt Esther Mwema in einem gemeinsamen Artikel mit Abeba Birhane. Besonders in Afrika gebe es viele Gegenden, in denen die Anbindung ans Netz schlecht sei.

Auf der re:publica 25 wird Esther einen Einblick in ihr Kunst- und Forschungsprojekt mit dem Titel „Cosmologies of Internet Infrastructure“ geben, das derzeit im Rahmen der Green Screen Coalition entsteht und die Ursprungsgeschichten des Internets sowie widersprüchliche Visionen für unsere digitale Zukunft hinterfragt. Denn die Art und Weise, wie wir über das Entstehen und die Zukunft des Internets erzählen, prägt auch unser Weltbild. 

Eine verbreitete Erzählung ist, dass das Internet uns „verbindet“ und dass sich die Daten in einer „Cloud“ befinden, die über uns schwebt. Digitale Infrastrukturprojekte greifen auf diese Narrative zurück – und werden gleichzeitig von westlichen Tech-Unternehmen kontrolliert, die zunehmend das Eigentum von Untersee- und Glasfaserkabeln bis hin zu Satelliten an sich reißen. Diese Projekte wiederholen nicht nur die koloniale Logik, wie Esther und Abeba schreiben, sondern folgen auch dem gleichen infrastrukturellen Weg, der in der Zeit des transatlantischen Sklavenhandels entstand. Während die Konzerne behaupten, die „digitale Kluft“ überwinden zu wollen, geht es vor allem um das Behaupten einer Monopolstellung.

Esther Mwema ist eine preisgekrönte Künstlerin und Expertin für digitale Ungleichheiten. Ihr thematischer Fokus liegt auf Prozessen zum Erreichen von (Internet-)Freiheit sowie Internet-Governance und Internet-Infrastrukturen aus einem afrikanisch-feministischen und -dekolonialen Blickwinkel. Esthers Praxis verbindet Kunst und Tech-Innovation und hinterfragt verborgene Machtsysteme in der digitalen Gesellschaft. Im Jahr 2022 erhielt sie den Mozilla Creative Media Award für ihre Arbeit „AfroGrids“. Sie engagiert sich seit über 10 Jahren mit ihren gemeinnützigen Organisationen Digital Grassroots und der Safety First for Girls (SAFIGI) Foundation für gesellschaftlichen Wandel und hat umfangreiche Arbeit im UN-System geleistet.

 

Die re:publica 25 steht unter dem Motto „Generation XYZ“. Was ist deine Botschaft für zukünftige Generationen in Bezug auf die digitale Gesellschaft?

Esther Mwema: „Kämpft dafür, dass es nicht nur einfacher wird, zu kommunizieren, sondern auch die Wahrheit zu vermitteln.“
 

The Cosmology of Internet Infrastructure

Esther Mwema

Zusammenfassung
This talk presents vivid imagery on society’s belief in the creation of the digital world. Esther Mwema presents her art and community-centered research connecting increased ownership of Internet infrastructure by big tech to (digital) colonialism, thus unveiling the hidden systems power in society.
Aktivismus
Digitalpolitik
Internationales
Zukunft & Utopie
Stage 2
Vortrag
Englisch
re:claim Digital Future
Conference