Zwischen Antrag und Alltag: Wenn der Sozialstaat zur Zumutung wird

Jana Plomin , Stefanie Hecht

18.05.2026 18:00–18:30
Atrium 2
Deutsch
(Kurz-) Vortrag
Politik & Gesellschaft
#Digitalpolitik #KI #Teilhabe & Zugang #Technologie
Walter, Wiebke, Wanda, Wasim – vier Menschen, die Wohngeld brauchen. Ihre Geschichten zeigen: Der Prozess ist kafkaesk. Jetzt kommt KI. Aber für wen? Ein Einblick in Lebensrealitäten, die in der Digitalisierungsdebatte keine Stimme haben.

1,2 Millionen Haushalte in Deutschland beziehen Wohngeld. Mindestens genauso viele könnten es – tun es aber nicht. Warum? Weil der Antragsprozess eine Zumutung ist: unverständliche Formulare, monatelange Wartezeiten, endlose Nachweispflichten.

Aber diese Menschen haben in der Digitalisierungsdebatte keine Lobby. Wenn über "Verwaltungsmodernisierung" gesprochen wird, geht es um OZG-Quoten und Fachverfahren – nicht um Walter (71), der an PDF-Formularen scheitert oder Wiebke (39), die als Alleinerziehende zwischen drei Ämtern hin- und hergeschickt wird.

Was dieser Talk leistet:

Wir machen den Wohngeldprozess anfassbar – durch vier realtypische Personas:

  • Walter: Rentner, offline, überfordert von Amtsdeutsch
  • Wiebke: Alleinerziehend, routiniert im Antragsstellen – aber erschöpft vom "Bürokratie-Pingpong"
  • Wanda: Studentin, digital affin, verzweifelt an Medienbrüchen
  • Wasim: Erwerbstätig im Niedriglohnsektor, Sprachbarrieren

Ihre Geschichten zeigen: Das Problem ist nicht "fehlende Digitalisierung" – sondern dass Verwaltung nicht vom Menschen her gedacht wird.

Der politische Diskurs:

Gerade jetzt, wo erste Kommunen KI im Wohngeldprozess einsetzen, müssen wir fragen: Für wen wird digitalisiert? Für die Effizienz der Verwaltung – oder für die Menschen, die Hilfe brauchen? Wer profitiert von KI? Die junge, digital affine Wanda – oder auch der 71-jährige Walter? Was macht Automatisierung mit Würde? Wenn ein Algorithmus über Existenzen entscheidet – wer kontrolliert ihn? Das ist mitunter keine technische Frage. Das ist eine Frage sozialer Gerechtigkeit.

Was wir zeigen:

  • Lebensrealitäten sichtbar machen: Wie sich Bürokratie anfühlt, wenn man sie nicht "mal eben" bewältigen kann.
  • Erste KI-Pilotprojekte einordnen: Was funktioniert – und wo entstehen neue Ausschlüsse?
  • Bleiben Sie im Anschluss gerne für ein Meetup mit dem Projektleiter Dr. Florian Theißing auf Seiten der Agora Digitale Transformation; https://agoradigital.de/projekte/sozialleistungen-als-blaupause/

Warum das wichtig ist:

In Debatten über Digitalisierung, KI und Verwaltung fehlen die Stimmen derer, die am stärksten betroffen sind. Rentner:innen, Alleinerziehende, Menschen mit Sprachbarrieren – sie sitzen nicht in Beiräten, sie posten nicht auf LinkedIn, sie kommen nicht zu Konferenzen. Dieser Talk gibt ihnen eine Bühne. Und er zeigt: Technologie kann den Sozialstaat menschlicher machen – aber nur, wenn wir sie für Menschen gestalten, nicht für Prozesse.