We want to break free – Zeit, den Hass zu ghosten!

Hanna Klimpe, Laura Roschewitz , Frida Kammerer, Isabella David-Zagratzki

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Hate Speech, Hass, Hetze. Blocken, löschen, anzeigen. Community Manager*innen wühlen sich tagtäglich durch Zehntausende Kommentare. Mit den Folgen des Hasses bleiben sie oft allein. Welche Coping-Mechanismen gibt es? Welchen Support brauchen sie? Wäre es gesünder für uns – und unsere Communitys – wenn wir dem Hass die Aufmerksamkeit entziehen?
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Seit Jahren bestimmt Hass-Management die Arbeit von Community-Manager:innen. In der Pandemie hat die Zahl der Kommentare sogar noch zugenommen. Bei der tagesschau ploppt alle drei Sekunden ein neuer Kommentar auf und will moderiert werden. KIs helfen dabei, die Flut zu kanalisieren – und suggerieren, dass der Hass übermächtig ist.

Für die, die sich täglich in die Kommentarbereiche wagen, hat das auch psychische Folgen. Von ungesunden Coping-Mechanismen, ohne die ein Abschalten im Feierabend nicht möglich ist bis hin zu Burn-out. Psychologische Hilfe für Community-Redakteur:innen gibt es in deutschen Medienhäusern bislang kaum. Was müssten Redaktionen bereitstellen, damit sie den Kommentar-Dschungel gesund überstehen? Welche Strategien gibt es, um den Hass nicht mit nach Hause zu nehmen?

Die Konzentration auf den Hass, der von einer Minderheit ausgeht, schlägt nicht nur Community Manager*innen auf die Stimmung – sie bringt auch die zum Schweigen, die einen echten Diskurs wollen. Wie finden wir einen Weg raus aus diesem Dilemma? Wie machen wir unsere Communitys wieder zu einem Ort, an dem man seine Meinung äußern möchte? Das möchte die Moderatorin Isabella David-Zagratzki, die glaubt, dass wir eine neue Strategie im Hass-Management brauchen, mit Laura Roschewitz, Frida Kammerer und Prof. Hanna Klimpe diskutieren.

Wirtschaftspsychologin Laura Roschewitz meint, dass Community-Managerinnen und ihre Teams niedrigschwellige und unkomplizierte Beratungsangebote brauchen, wenn es wirklich einmal brennt. Sie beschäftigt sich in Seminaren damit, wie man einen Umgang mit all dem Hass finden kann, ohne abzustumpfen und die Empathie zu verlieren.

Frida Kammerer steht als Community-Managerin bei der tagesschau jeden Tag einer Flut von Kommentaren gegenüber – und entsprechend viel Hass. Sie befürchtet, dass wir uns schon zu lange auf den Hass fokussieren, der eigentlich einen kleineren Teil der Kommentare ausmacht – und KIs diesen Hass-Filter noch weiter verstärken.

Prof. Dr. Hanna Klimpe, HAW-Hamburg, glaubt, dass die Lösung nicht allein in KIs und computergesteuerten Datenanalysen von Hate Speech liegt. Vielmehr müssten Redaktionen und Medienhäuser anerkennen, dass Community Management eine eigene Form journalistischer Arbeit sei, für die es entsprechende Strukturen und auch Ressourcen brauche.

Laura Roschewitz Portrait Foto
Selbstständige Wirtschaftspsychologin und Sparringspartnerin
Foto von Frida Kammerer/Bild-Credit: Ulf Dahl
Community-Redakteurin