#rp26-Sprecher Cory Doctorow

08.01.2026 - Was bedeutet „Enshittification“ – und wie kam es dazu? Der Science-Fiction-Autor, Journalist und Technologie-Aktivist zeigt, was dahintersteckt - und was wir dagegen tun können.
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Foto von Cory Doctorow. Er sitzt in einem Sessel und stützt einem Arm auf einer Lehne ab. Cory trägt kurze Haare, Brille und einen Pullover
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Paula Mariel Salischiker

Es ist 2026. Unsere Social-Media-Feeds bestehen gefühlt nur noch aus AI-Slop, unsere Aufmerksamkeit wird monetarisiert, und von digitaler Souveränität bleiben wir aufgrund der Monopole von Tech-Konzernen weit entfernt. Wohin führt das alles?

Für das, was wir gerade erleben, hat der Science-Fiction-Autor und Tech-Aktivist Cory Doctorow den Begriff „Enshittification” gefunden. Damit beschreibt er, wie Plattformen uns zunächst nützlich erscheinen, jedoch gleichzeitig so gestaltet sind, dass Nutzer*innen und Geschäftskund*innen kontinuierlich für die Profite der Tech-Konzerne ausgebeutet werden. 

„Die Enshittification war kein Zufall. Sie war auch nicht unvermeidlich”, so Cory Doctorow. Um ihr entgegenzuwirken, brauche es jedoch mehr als nur technische Anpassungen: „Nur ein Angriff auf die Macht der Konzerne wird eine wirksame Regulierung und echte Privatsphäre ermöglichen.” Außerdem seien „Tech-Gewerkschaften, die Arbeitnehmer schützen, die uns wiederum gegen den Sadismus und die Gier ihrer Chefs verteidigen sollten” notwendig.

Diese Ideen bilden auch das zentrale Argument seines neuen Buches 'Enshittification: Why everything suddenly got worse and what to do about it' (Enshittification: Warum alles plötzlich schlechter wurde und was man dagegen tun kann), das am 13. Mai auf Deutsch erscheinen wird. Darin fasst er die Versäumnisse der digitalen Wirtschaft zusammen – und zeigt auf, wie Technologie wieder dem Gemeinwohl zugutekommen kann. All das und mehr wird er in diesem Jahr auf der re:publica Berlin diskutieren. 

Cory Doctorow ist Sonderberater der Electronic Frontier Foundation, einer gemeinnützigen Organisation, die sich für Freiheit in den Bereichen Technologierecht, -politik, -standards und -verträge einsetzt. Er ist Ehrendoktor der Rechtswissenschaften der York University in Kanada und Ehrendoktor der Informatik der Open University in Großbritannien, wo er als Gastprofessor tätig ist. Außerdem ist er AD White Professor-at-Large an der Cornell University, Forschungsmitarbeiter am MIT Media Lab und Gastprofessor für Praxis an der School of Library and Information Science der University of North Carolina. Darüber hinaus schreibt er regelmäßig für seinen Blog.

Für seine Bücher hat er mehrere Auszeichnungen erhalten, darunter den Locus, Prometheus, Copper Cylinder, White Pine  und den Sunburst Award. Einige seiner Werke wurden in dutzende Sprachen übersetzt. Neben seinen gefeierten Sachbüchern hat er mehrere Romane geschrieben, darunter ‘Picks and Shovels’, ‘The Bezzle’ (Fortsetzung zu 'Red Team Blues') und  Solarpunk-Romane ‘Walkaway’ und ‘The Lost Cause’. Darüber hinaus erschienen Bücher über Technologiepolitik ‘The Internet Con’ und Chokepoint Capitalism. Wir freuen uns, Cory als häufig wiederkehrenden Sprecher auf der Bühne der re:publica 26 begrüßen zu dürfen!