re:publica 26
18.-20. Mai 2026
STATION Berlin
Der Westen hat Angst vor seinem Abstieg – und das zu Recht. Die Welt, die Europa im 19. Jahrhundert geschaffen hat, ist zu einer Welt geworden, die der Westen nicht mehr allein zu beherrschen vermag. Doch wie steigt man eigentlich würdevoll ab? Welche Rolle spielen Deutschland und Europa darin? Und warum gestaltet ausgerechnet Donald Trump den Abstieg der westlichen Vormacht mit? Diesen Fragen widmet sich Daniel Marwecki auf der re:publica Berlin.
Im Jahr 2025 fasste der Autor und Dozent seine Gedanken zum Abstieg des Westens bereits in seinem Buch „Die Welt nach dem Westen” zusammen. Darin beschreibt er, dass vor allem diejenigen davon profitieren, die in Ländern leben, die man früher zur sogenannten „Dritten Welt” gezählt hat und die man heute auch den „Globalen Süden” nennt. Der eine Begriff ist dabei so verallgemeinernd wie der andere. Beide vergessen: der Nicht-Westen war nie die Minderheit. Die Beschreibungen versuchen eine Vereinheitlichung von etwas herzustellen, was eigentlich nichts miteinander gemein hat, außer zu einem gewissen Zeitpunkt der eigenen Geschichte von Europa überwältigt worden zu sein.
Als Beispiel dient in seinem Buch unter anderem China. Als die zweite Großmacht hinter den USA lässt sich das Land in Sachen Politik von niemandem mehr diktieren. Das neue Selbstbewusstsein des Globalen Südens findet sich aber nicht nur dort wieder. Indien, Südafrika, Brasilien, Indonesien, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate; diese und andere Staaten sind längst nicht mehr bereit, sich in einer anderen gemachten Weltordnung auf den hinteren Plätzen einzureihen. All das lässt uns mit der Frage zurück: Wie wird die Zukunft einer “multipolaren” Welt aussehen?
Daniel Marwecki ist Sachbuchautor und Dozent für Internationale Beziehungen an der University of Hongkong. Zuvor schloss er seine Promotion an der SOAS University of London ab. Sein erstes Buch „Germany and Israel: Whitewashing and Statebuilding” erschien 2020 und wurde 2025 neu verlegt. Auf Deutsch erschien von ihm außerdem 2024 das viel diskutierte „Absolution? Israel und die Deutsche Staatsräson”.