#rp26-Sprecherin Francesca Bria: Der autoritäre Block

Die Innovationsökonomin zeigt, wie sich das Vordringen von US-Tech-Unternehmen in die kritische Infrastruktur Europas auf demokratische Regierungen auswirkt – und was Europa dagegen tun kann.
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Foto von Francesca Bria. Sie sitzt auf einer Beton-Bank vor einem Gebäude. Eine Hand liegt auf der Lehne auf. Sie trägt ein Langarmshirt und Jacke.
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Erst destabilisieren sie die Märkte, dann besetzen sie politische Ämter: Peter Thiel, Marc Andreessen, Elon Musk & Co zeigen, wie sich Risikokapital, Technologie und politische Ideologie zu einem integrierten Regierungsmodell verschmelzen lassen. Gleichzeitig dringt das  Modell aus Cloud-Infrastruktur, KI-Systemen, Finanzplattformen, Drohnen und Satelliten  auch nach Europa vor. Wie können demokratische Gesellschaften diese Entwicklung verstehen? Was wäre nötig, um glaubwürdige Alternativen zu entwickeln, bevor es zu spät ist? Auf der re:publica 2026 diskutiert Francesca Bria den Einfluss des “autoritären Blocks” und dessen Auswirkungen auf Deutschland und Europa.

„Der Autoritäre Block“ ist ein von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) Future of Work finanziertes Projekt. Es umfasst eine kürzlich veröffentlichte Datenbank und einen Bericht und untersucht, wie US-Technologieunternehmen als staatsähnliche Mächte agieren – indem sie Beschaffungsregeln festlegen, öffentliche Aufträge erhalten und ihr Governance-Modell nach Europa exportieren. Als Beispiel: Die Software von Palantir wird bereits von regionalen Polizeibehörden in Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg eingesetzt. Auch die Kooperation zwischen Anduril und Rheinmetall bei der Drohnenentwicklung wirft Fragen darüber auf, wo und von wem Entscheidungen über kritische Infrastruktur getroffen werden. Francesca Bria argumentiert, dass Europas Antwort darauf strukturell und koordiniert sein muss: Investitionen in Technologien müssen von öffentlichem Interesse sein. Darüber hinaus brauche es offene Standards und demokratische Kontrollmechanismen – die Bausteine einer wirklich souveränen digitalen Infrastruktur.

Francesca Bria ist Innovationsökonomin und arbeitet an der Schnittstelle von Technologie, Geopolitik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie ist Honorarprofessorin am Institute for Innovation and Public Purpose der UCL und Senior Fellow bei der Stiftung Mercator in Berlin, wo sie die Euro Stack-Initiative zur digitalen Souveränität Europas leitet. Darüber hinaus ist  sie Vorstandsmitglied des Europäischen Innovationsrats (EIC) und Präsidentin der Innovationsagentur der Emilia-Romagna (ART-ER). Sie ist Mitglied des Internationalen KI-Rats, der von Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez ins Leben gerufen wurde. Zuvor war sie Präsidentin des italienischen Nationalen Innovationsfonds (CDP Venture Capital) und Vorstandsmitglied bei RAI, Italiens öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalt. Von 2015 bis 2019 war sie Chief Digital Technology and Innovation Officer der Stadt Barcelona, wo sie die Barcelona Digital City Agenda leitete. Ihre Arbeit fand breite Anerkennung, unter anderem wurde sie zur Kommandeurin des Verdienstordens der Italienischen Republik ernannt, von Forbes in die Liste der Top 50 Frauen in Tech aufgenommen und von der F.A.Z. als Culture Person des Jahres 2020 ausgezeichnet. Sie wurde außerdem von Apolitical unter die weltweit 20 einflussreichsten Persönlichkeiten im Bereich Digital Government gereiht. Laut Politico gilt sie als eine der 28 treibenden Kräfte der europäischen Tech-Revolution.