Abschied von Twitter: Er ist nötig und fällt schwer, aber zusammen schaffen wir das.
Twitter war die letzten zehn Jahre mein Spezialinteresse. Ich habe nicht nur zahlreiche Analysen mit Twitterdaten erstellt und Vorträge über Twitter, Communitys und Empörungswellen gehalten, sondern auch mein Privatleben auf Twitter organisiert. Seit der Übernahme durch Musk versuche ich mich von Twitter zu lösen. Emotional hat das größtenteils funktioniert, aber praktisch sind noch immer zu viele Kontakte dort aktiv und ich verfolge weiterhin was mit dem Unternehmen passiert.
Twitter ist jetzt der Spielplatz eines Milliardärs und kann nicht mehr einer der zentralen Orte für öffentlichen Austausch sein. Musk hat viele wichtige Mitarbeiter*innen entlassen, die sich um die Bekämpfung von Falschinformationen, verdeckten Kampagnen und Spam gekümmert haben. Er hat Funktionen abgedreht, die das Erkennen von Automatisierung vereinfacht haben und den Datenzugriff für Forscher*innen, Journalist*innen und Aktivist*innen erschwert. Er ist ein Troll, der sich daran erfreut, wenn andere sich über ihn aufregen. Er kündigt Änderungen an und setzt sie nie um oder ändert sie beliebig ab.
Das Fediverse mit Mastodon als der bekanntesten Software ermöglicht einen direkten Austausch wie er auf Twitter möglich war ohne dass es jemanden oder etwas gibt, das es besitzt. Jede einzelne Instanz gehört trotzdem einer Person, die die Instanz betreibt. Ohne Vertrauen geht es nicht. Die Dezentralisierung bringt einige Vorteile und Potentiale, aber auch Nachteile und Risiken. Aber ein Risiko hat es nicht: Dass ein Milliardär es kauft und kaputt macht.