„Manu raus!“ – Wie „Big Brother“ den Shitstorm erfand

Christian Richter , Simon Moses Schleimer

20.05.2026 17:30–18:00
Stage 6
Deutsch
(Kurz-) Vortrag
Medien & Öffentlichkeit
#Filme & Serien #Netzkultur #This is FUN
In der ersten Staffel von „Big Brother“ eskalierte der Streit um Kandidatin Manuela so sehr, dass sie mit ungeahntem Hass überschüttet wurde – lange bevor es Social Media gab. Der Vortrag blickt auf das Reality-TV der 2000er und zeigt, warum dieser Konflikt bis heute digitale Öffentlichkeiten prägt.

Die 1. Staffel der Realityshow "Big Brother" dominierte im Jahr 2000 die öffentliche Debatte. Als Jürgen, Zlatko, Manuela und Co. in den Container zogen und sich 24/7 von TV-Kameras filmen ließen, entstand ein Vorläufer heutiger Online-Öffentlichkeiten. Denn das Publikum belohnte oder sanktionierte ihre Persönlichkeit und Authentizität.

Besonders prägend war der eskalierende Streit um Manuela im Haus, der sich zum landesweiten medialen Mobbing gegen sie zuspitzte. Immer wieder hieß es: „Sie hat es verdient!“ Mechaniken öffentlicher Beschämung wurden quer durch alle Medien sichtbar, normalisiert und letztlich legitimiert. Damit wurde ein Ton gesetzt, der sich bald im Netz fortschreiben sollte.

Mit 25 Jahren Abstand lesen wir die Ereignisse als popkulturelles Zeitdokument und erörtern aus medienwissenschaftlich und intersektionaler Perspektive wie Manuela zur Zielscheibe kollektiver Abwertung werden konnte. An ihr entzündete sich ein Milieukonflikt, der (digitale) Öffentlichkeiten bis heute prägt. Die Show erscheint so als frühes Labor für die Logiken von Shitstorms und die Dynamiken digitaler Empörung.