Von Habermas zum Podcast: Das Ende der Schriftkultur und die verquatschte Republik

Albrecht von Lucke

20.05.2026 15:00–15:30
Stage 1
Deutsch
(Kurz-) Vortrag
Politik & Gesellschaft
In seinem Vortrag zeichnet Albrecht von Lucke nach, warum mit dem Tod von Jürgen Habermas womöglich mehr endet als eine philosophische Ära. Im Zeitalter von KI und digitaler Dauerrede stellt sich die Frage, wie es um jene Streitkultur bestellt ist, ohne die eine demokratische Öffentlichkeit kaum denkbar wäre.

Mit Jürgen Habermas starb soeben nicht nur der größte deutsche Philosoph der Gegenwart, sondern auch die Inkarnation einer intellektuellen Schriftkultur, die im Gefolge von 1968 noch einmal eine Hochzeit erlebte. Nun tritt, noch befördert durch den Aufstieg der KI, an die Stelle des ausgefeilten geschriebenen Wortes wieder das flüchtige gesprochene, und an die Stelle des Streits unter Gleichen das andächtige, tendenziell autoritär gestimmte Auditorium. Was dabei auf der Strecke bleibt, ist der harte Austausch von Argumenten als die zentrale Voraussetzung unserer Demokratie.