#rp25-Sprecherin Laura Wiesböck: (K)ein Klick zur Diagnose – psychische Gesundheit als Social-Media-Trend

03.04.2025 - Trauma, Trigger und Self-Care: Psychische Gesundheit ist längst zum Social-Media-Trend geworden. Welche Ursachen und Folgen das hat, klären wir mit der Soziologin auf der re:publica 25.
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Portraitfoto von Laura Wiesböck. Sie trägt schulterlange, lockige Haare, einen Pony sowie einen Rollkragenpullover. Laura lächelt in die Kamera.
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Helena Lea Manhartsberger

Auf Social Media ist die nächste Diagnose oft nicht weit – sei es ADHS, Depression oder verschiedenste Persönlichkeitsstörungen. Dabei schreitet die Enttabuisierung im Bereich psychische Gesundheit gesellschaftlich voran – und das ist gut so. Das Problem daran: Das Thema wird dort oft ohne ausreichende Fachkenntnisse besprochen und kann zur Selbst-Pathologisierung verleiten. 

Woher kommt die Bereitschaft für psychiatrische Deutungsstrategien? Welchen Einfluss hat die digitale Aufmerksamkeitsökonomie? Und gibt es in modernen Gesellschaften eigentlich noch Räume für Leid abseits von medizinischen Kategorien? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Laura Wiesböck. Auf der re:publica 25 spricht die Soziologin über mögliche Antworten.

Wenn wir uns in den sozialen Medien mit dem Thema psychische Gesundheit beschäftigen, zeigt sich eine Vermengung von Krankheitsbildern und der unnötigen Pathologisierung von menschlichen Leidenszuständen, wie Lebenskrisen oder emotionalen Verletzungen und Optimierungsanforderungen. Wie finden wir eine Gesellschaftsform, in der persönliche Tiefpunkte dazu gehören zum Menschsein dazugehören? Das sei insofern nötig, da „psychische Gesundheit nicht bedeutet, ständig leistungsfähig und ausgeglichen zu sein, sondern die gesamte Bandbreite menschlicher Emotionen und Konflikte wahrnehmen und aushalten zu können”, sagt Laura Wiesböck. 

In ihrem neuen Buch „Digitale Diagnosen“ analysiert die Soziologin, warum psychische Gesundheit auf Social Media zum Trend wurde und welche Auswirkungen das hat. Statt die Optimierung von Individuen in den Mittelpunkt zu stellen, plädiert sie dafür, politische und strukturelle Rahmenbedingungen zu forcieren, die sich nachweislich auf die Gesundheit und Lebenszufriedenheit auswirken.

Die Soziologin Laura Wiesböck leitet aktuell die Junior Research Group „Digitalisierung und soziale Transformation“ am Institut für Höhere Studien in Wien. Dort forscht sie zum Thema soziale Ungleichheit mit besonderem Fokus auf Arbeit, Armut, Geschlecht und Digitalisierung. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet. 

Psychische Gesundheit in der digitalen Aufmerksamkeitsökonomie

Laura Wiesböck

Zusammenfassung
In der digitalen Aufmerksamkeitsökonomie ist psychische Gesundheit nicht nur eine persönliche Angelegenheit, sondern auch Gegenstand öffentlicher Aushandlungsprozesse. Der Vortrag beschäftigt sich damit, wie Plattformlogiken den gesellschaftlichen Umgang mit „Mental Health“ prägen.
Geschäftsmodelle
Gesundheit
Plattformen
Stage 2
Vortrag
Deutsch
Conference