re:publica 25
26.-28. Mai 2025
STATION Berlin
Auf Social Media ist die nächste Diagnose oft nicht weit – sei es ADHS, Depression oder verschiedenste Persönlichkeitsstörungen. Dabei schreitet die Enttabuisierung im Bereich psychische Gesundheit gesellschaftlich voran – und das ist gut so. Das Problem daran: Das Thema wird dort oft ohne ausreichende Fachkenntnisse besprochen und kann zur Selbst-Pathologisierung verleiten.
Woher kommt die Bereitschaft für psychiatrische Deutungsstrategien? Welchen Einfluss hat die digitale Aufmerksamkeitsökonomie? Und gibt es in modernen Gesellschaften eigentlich noch Räume für Leid abseits von medizinischen Kategorien? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Laura Wiesböck. Auf der re:publica 25 spricht die Soziologin über mögliche Antworten.
Wenn wir uns in den sozialen Medien mit dem Thema psychische Gesundheit beschäftigen, zeigt sich eine Vermengung von Krankheitsbildern und der unnötigen Pathologisierung von menschlichen Leidenszuständen, wie Lebenskrisen oder emotionalen Verletzungen und Optimierungsanforderungen. Wie finden wir eine Gesellschaftsform, in der persönliche Tiefpunkte dazu gehören zum Menschsein dazugehören? Das sei insofern nötig, da „psychische Gesundheit nicht bedeutet, ständig leistungsfähig und ausgeglichen zu sein, sondern die gesamte Bandbreite menschlicher Emotionen und Konflikte wahrnehmen und aushalten zu können”, sagt Laura Wiesböck.
In ihrem neuen Buch „Digitale Diagnosen“ analysiert die Soziologin, warum psychische Gesundheit auf Social Media zum Trend wurde und welche Auswirkungen das hat. Statt die Optimierung von Individuen in den Mittelpunkt zu stellen, plädiert sie dafür, politische und strukturelle Rahmenbedingungen zu forcieren, die sich nachweislich auf die Gesundheit und Lebenszufriedenheit auswirken.
Die Soziologin Laura Wiesböck leitet aktuell die Junior Research Group „Digitalisierung und soziale Transformation“ am Institut für Höhere Studien in Wien. Dort forscht sie zum Thema soziale Ungleichheit mit besonderem Fokus auf Arbeit, Armut, Geschlecht und Digitalisierung. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet.