Die Klimakrise des Journalismus – Von Auflagen-Erosionen und Nachrichten-Wüsten

Katharina Heitmann-Werner, Andrea Grahl

Zusammenfassung
Ähnlich wie bei der Klimakrise lässt sich die Krise des Journalismus auf unterschiedlichen Dimensionen beobachten und sorgt für eine vollkommene Transformation des gesamten Ökosystems Journalismus. Wichtigste Ursache der Krise? Ein Mangel an nachhaltigen Finanzierungsmodellen. Der Vortrag gibt hierzu aktuelle Einblicke in Wissenschaft und Praxis.
Vortrag
Deutsch
Conference

Der Journalismus steckt in einer tiefen Krise. Die Nutzungszahlen von Printmedien haben sich in den letzten 10 Jahren um weit über die Hälfte reduziert. Nur noch ein Viertel der Deutschen nutzt gedruckte Zeitungen zur Informationsbeschaffung (Newman et al. 2022: 81). Auch die Bereitschaft, für Nachrichten zu zahlen, sinkt drastisch (Buchow/Wellbrock 2019).

Auflagen-Erosionen auf der einen Seite und wegbrechende Werbeeinnahmen auf der anderen, haben weitreichende Folgen für das Ökosystem des Journalismus. Die Finanzierungskrise trifft Lokalzeitungen besonders hart. Lokalredaktionen müssen schließen und 70 Prozent der Bevölkerung kann nur noch auf eine einzige Lokalzeitung zugreifen. Steht die Lokalzeitung bald auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Medienarten?

Im internationalen Kontext wird die Krise des Lokaljournalismus bereits mit dem Begriff „news deserts“ bezeichnet. Er beschreibt die Dynamik, dass es in immer mehr Regionen zu Nachrichten-Wüsten kommt, also keinerlei Lokalmedien mehr existieren (u. a. Abernathy 2020). Dies hat verheerende Folgen für die demokratische Gesellschaft, z.B. in Bezug auf Partizipation oder Meinungs- und Willensbildungsprozesse. In diesem Sinn meint Klimakrise hier die vollkommene Transformation des Ökosystems Journalismus.

Aber der journalistische Klimawandel hat auch noch eine andere Seite. Die Lücke, die der klassische Journalismus hinterlässt, bereitet den Nährboden für alternative Formen von Journalismus und neue digitale News-Angebote. Unser Vortrag setzt genau hier an. Wir finden, es ist Zeit, Lokaljournalismus gänzlich neu zu denken und das Problem gemeinschaftlich anzugehen. Dafür haben wir in einem interdisziplinären Team aus Medienwissenschaftler:innen, Journalismus-Forscher:innen, klassischen und neuen Lokalmedien sowie Bürger:innen eine lokale News-Plattform entwickelt, die als Genossenschaft lokale News-Angebote jeglicher Art bündelt und so die Finanzierung für Produzent:innen sichert. Die Klimakrise des Journalismus und die Plattform molo.news als ein Lösungsmodell sollen im Vortrag diskutiert werden.