Digital handlungsfähige Erinnerungskultur - neue Ansätze für forschendes Lernen vor Ort

Lisa Groh-Trautmann, Lambert Heller

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Zusammenfassung
Wie kann sich historisches Erinnern digitalen Interaktionsformen öffnen? Wie kann die digitale Handlungsfähigkeit Engagierter ohne dauerhaft nennenswerte eigene IT-Ressourcen aufgebaut werden? Wir stellen Peer-Learning-Methoden und Open Educational Resources (OER) zu Wikidata für eine handlungsfähige digitale Erinnerungskultur vor.
Vortrag
Deutsch
Conference

Gemeinsam mit der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten (SNG) hat die TIB seit 2020 in mehreren drittmittel-geförderten Projekten neue Formen forschender Erinnerungsarbeit vor Ort erprobt. Kern dieser Projekte war “Orte des Gestapoterrors” (http://tib.eu/gestapo-terror-orte).

Dieses Projekt zielt sowohl darauf ab, die Tätigkeit der Gestapo mit Blick auf deren Standorte und Infrastruktur zu erforschen, als auch darauf, das vorhandene Wissen über die Verbrechen der Gestapo und die spätere Erinnerung daran digital zugänglich zu machen. 

Unsere Herangehensweise: Historisches Erinnern kann und sollte sich digitalen Interaktionsformen öffnen, ohne sich zu sehr abhängig zu machen von den Geschäftsmodellen kommerzieller Plattformanbieter. Auch Projekte von Gedenkstätten mit Agenturen, bei denen oft mühevoll erarbeitete und kuratierte Daten in digitalen Ruinen mündet, gilt es zu vermeiden. Stattdessen wollen wir digitale Handlungsfähigkeit von Gedenkstätten und den dort Engagierten aufbauen. Das ist umso dringlicher, wenn vor Ort nicht dauerhaft nennenswerte eigene IT-Ressourcen verfügbar sind. Doch wie ist das machbar?

Unter anderem knüpfen wir an die akademische Holocaust-Forschung an, die bereits seit 2018 Plattformen wie Wikidata aktiv nutzt. Im Rahmen der Projekte von SNG und TIB sind erstmals Peer-Learning-Methoden und Open Educational Resources (OER) zu Wikidata für Erinnerungsarbeit im Zusammenspiel mit anderen Werkzeugen und Datenquellen (u.a. OpenRefine) entwickelt und verwendet worden.

Wir haben dabei die Erfahrung gemacht: Unterschiedliche Zielgruppen, darunter Schüler*innen, lassen sich so zu einem gemeinsamen forschenden Lernen über zeitgeschichtliche Themen vor Ort anstiften.

In unserem Vortrag gehen wir auch darauf ein, wie wir in darauffolgenden Projektphasen gemeinsam mit der Gedenkstätten-Community diese Erfahrungen reflektieren und weitere Gedächtnis-Organisationen, auch außerhalb Niedersachsens, dabei unterstützen, solche Ansätze zu verfolgen.