Vom Tod in der Netzfamilie: Ein neuer Umgang mit dem Sterben

Jens Scholz, Nadia Zaboura, Matthias Gockel

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Der Tod und das Sterben war in unserer digitalen Kultur ein Fremdkörper. Dann kam die Pandemie und hat den Tod zu einem Medienereignis und einem ständigen Talking Point der Netzgemeinschaft gemacht. Gut gelaufen ist daran wenig. Aber wie können wir besser mit Sterben und Tod umgehen? Wir möchten wieder mit euch diskutieren.
Workshop J
Vortrag
Deutsch
Conference

Die Pandemie hat den Tod in den letzten 2 Jahren wesentlich näher an unser Leben gebracht als wir uns vorstellen konnten. Sie wurde eine konkrete Bedrohung für unser eigenes Leben oder für die Menschen um uns herum. Und es gibt wahrscheinlich kaum jemanden unter uns, in deren direkten Umfeld es nicht einen Menschen gab, der den Kampf gegen den Virus verloren hat und starb.

Das tägliche Getöse im Netz änderte dabei die Lautstärke nicht - nur die Themen. Aber die waren nicht: Wie gehen wir mit unserer Sterblichkeit um? Wie helfen wir uns? Wie erinnern wir uns? Wie können wir trauern? Wo ist der Platz für Schmerz und Erinnerung? Es ging vielmehr fast sofort um die möglichst schnelle "Rückkehr zur Normalität", obwohl absehbar war, dass wir Jahre von einem Ende der Pandemie entfernt sind.

Wir müssen daher weiter miteinander darüber reden, wie der Tod in unserer sehr virtuellen Netzwelt stattfindet und verhandelt wird und darüber, wie wir besser mit Sterben umgehen können. Wie schon 2018 und 2019 wollen wir das gemeinsam tun. Es ist eine Session zum Mitreden, zum Austausch von Erfahrungen und für Anregungen und Ideen.

Als Gast dabei ist der Palliativmediziner Dr. med. Matthias Gockel, der für einen neuen Umgang mit dem Tod wirbt: Er erlebt täglich, wie sehr Verdrängen und Verschweigen einen bewussten Umgang mit dem Sterben blockieren - nicht nur konkret bei Patienten und Angehörigen, sondern zum Beispiel auch bei ihren Ärzten, in Medien und letztlich bei uns allen. Seine Forderung nach einer neuen, offenen, zugewandten Art der Gesprächskultur - auch schon während des Sterbens - ist eigentlich etwas, was uns als Netzgemeinschaft nicht neu sein dürfte...

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Blogger, Kommunikationsberater, Netzmensch