Wohnungsbot — Ein Automatisierungsdrama in drei Akten im kleinen Automatisierungstheater

Clemens Schöll

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Im "kleinen Automatisierungstheater", einem vollautomatischen Puppentheater, wird die Geschichte von der Prinzessin erzählt (die nach ihrem Kunststudium nach Berlin ziehen will), dem Kasperle und dem Wohnungsbot (der erkennen muss, dass es keine technischen Lösungen für soziale Probleme gibt). Die Bühnenadaption des Software-Erfolgs.
Theater & Musical
Deutsch
Off Stage

Die Prinzessin erkennt, dass sie nach Berlin ziehen muss, als sie in einer Ausstellung in Leipzig einen Banner mit der Aufschrift "An artist who does not live in Berlin is no artist" sieht. Zum Glück trifft sie bei der Wohnungssuche das Kasperle, das ihr im Juni bei 48hNK den Wohnungsbot vorstellt. Doch obwohl der Wohnungsbot schon unzählige Menschen von den Symptomen des Mietenwahnsinns befreit hat, stürzt diese Mission den Wohnungsbot in eine Daseinskrise: Es wurde ein Vermieterbot erschaffen, der sämtliche Bewerbungen der Prinzessin ablehnt, da ihr Nettoeinkommen nicht hoch genug ist. Im Schlussmonolog erkennt der (zur physischen Figur gewordene) Wohnungsbot sein Scheitern und reflektiert über die Unmöglichkeit technischer Lösungen für soziale Probleme.

Unter dem Titel "Das Versprechen des Bots" wurde im zweiten Akt die Software "Wohnungsbot" (Download unter wohnungsbot.de) als scheinbarer "technischer Fix" veröffentlicht und hat den Besucher_innen wort-wörtlich versprochen im wachsenden Berlin dem Mietenwahnsinn entgehen zu können. Doch ist dieser nicht nur die Kehrseite der wachsenden Möglichkeiten und beschleunigten Wachstums der Kultur und Wirtschaft in Berlin?

Aber auch das Versprechen des Bots wird platzen. Noch funktioniert der Wohnungsbot, doch der dritte Akt "In letzter Konsequenz" nimmt vorweg was kommen muss: die Vermieter_innen oder die Wohnungsplattformen werden mit Gegen-Automatisierungen zu einer immer weiter beschleunigten und technisierten Wohnungssuch-Automatisierungs-Spirale beitragen, die kaum zum Wohle der Mieter_innen ausgehen kann. Im "kleinen Automatisierungstheater" wird bereits jetzt verhandelt wie wir möchten, dass in Zukunft Automatisierung unser Leben gestaltet und Wohnungen in unseren Städten vergeben werden sollen.